Materialismo Histórico y Teoría Crítica
TÍTULO PROPIO DE LA UNIVERSIDAD COMPLUTENSE - MADRID

    materiales | 28.Febrero.2003

War der Staatssozialismus modern?
Kritische Theorie und akademische Sozialwissenschaft über Modernität |
Frank Ettrich, Universität Erfurt

Kritische Theorie und Akademische Sozialwissenschaft
"Moderne"; "Modern"; "Modernität"
Struktur und "Zusammenbruchsdynamik" der kommunistischen Moderne
Zusammenfassung
Literatur

 

Kritische Theorie und Akademische Sozialwissenschaft

„Wer wagt es heute noch, von Kritischer Theorie zu sprechen?", fragte A. Giddens 1992 in seiner „Kritischen Theorie der Spätmoderne" (1992): „Nur jene, so scheint es, die die Aufklärung als ‚unvollendetes Projekt’ verteidigen: als logischen Plan und Rahmen von Möglichkeiten, der die Geschichte entlang eines vorgegebenen Weges evolutionärer Entwicklung führt. Kritische Theorie erscheint nicht mehr als Teil der ‚Avantgarde’, an der vordersten Front jener Veränderungen, die die Mehrheit der gewöhnlichen Menschen noch nicht vorhersehen oder noch nicht bedenken wollen. Wenn wir heute an kritische Theorie denken, insbesondere an den Marxismus, so ist sie eher etwas, das der voranschreitende Wandel hinter sich gelassen hat; oder, wahrscheinlich genauer, als eigentümliche, eher archaische Kuriosität an den Rand verwiesen hat." (Giddens 1992)

Der politisch sozialwissenschaftliche Diskurs des 20. Jahrhunderts wurde wesentlich durch das Spannungsverhältnis von Kritischer Theorie und Akademischer Sozialwissenschaft geprägt. Mit der bipolaren Welt des kommunistischen Ostens und des liberalen Westens scheint sich nach 1989 auch dieses Spannungsverhältnis zugunsten der akademischen Sozialwissenschaft und des liberalen Westens aufgelöst zu haben. Wir leben in einer neoliberalen Welt, in der die ohnehin spärliche Gesellschaftskritik bis auf weiteres ohne eine angemessene Kritische Theorie auskommen muss. Das liegt zum einen daran, dass Postmoderne, Internet und Globalisierung zu einer Dezentrierung der (gesellschafts-)theoretischen Aneignungsweise der Wirklichkeit überhaupt beigetragen haben. Theorie ist uncooler „Tiefsinn", „in" sind ikonographische Reflexionsformen. Es liegt zum anderen aber auch an der Kritischen Theorie, für die die Zäsur von 1989-92 mehr war als ein erkenntnisfördernder Wirklichkeitsschock. In bestimmter Hinsicht ist die „traditionelle" Kritische Theorie gescheitert. Das Paradoxe an der gegenwärtigen Situation ist freilich, dass das Scheitern in der Regel dort gesucht wird, wo sie – so meine These – noch immer von unverminderter Aktualität ist: in ihrer methodischen Anlage. Demgegenüber scheint mit der Globalisierung und dem entfesselten Kapitalismus unserer Tage das Theorieprogramm der Kritischen Theorie von unverminderter Aktualität zu sein: Das wiederum glaube ich nicht. Lassen Sie mich das etwas erläutern.

Kritische Gesellschaftstheorie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine zwiespältige Angelegenheit. Sie versucht, scheinbar Unvereinbares zu vereinen. Auf der einen Seite ist die insofern eine soziologische Theorie, als sie den Zustand einer Gesellschaft diagnostizieren muss, und deshalb deskriptiv ansetzt. Auf der anderen Seite will sie das Beschriebene auch evaluieren. Die Kritische Theorie ist in ihrem Kern dadurch gekennzeichnet, dass sie eine spezifische methodische Stellung zu dem von ihr analysierten Gegenstand einnimmt. Ausgehend von der in jeder sozialen Situation bestehenden Differenz zwischen dem Möglichkeitsraum von Sinnbildungen und dem selektiv reduzierten Sinn, der durch ein spezifisches soziales Handeln realisiert wird, lässt sie sich zur normativen Beurteilung der in der untersuchten Handlungssituation selegierten Handlungsoption herausfordern, und diese Beurteilung, so weit sie sich auf die kontemporäre Geschichte bezieht, soll nach ihrer Auffassung zweitens in das soziale Geschehen selbst eingeführt werden und damit den weiteren Gang des sozialen Geschehens beeinflussen.

Grundlage für die normative Beurteilung des analysierten Handlungsgeschehens ist, dass der wissenschaftliche Interpret sozialen Handelns in einer Doppelrolle auftritt, nämlich einmal als Beobachter, der in objektivierender Einstellung das analysierte soziale Handeln betrachtet, andererseits als ein sozialer Akteur, der sich selber als Erzeuger von Sinnmöglichkeiten ins Spiel bringt, also performatorisch an die Sinnbildungsprozesse der analysierten Akteure anschließt und dabei insbesondere seine Kompetenz der normativen Auszeichnung von Handlungsoptionen und der diskursiven Begründung der Anerkennungswürdigkeit von Normen zur Anwendung bringt. Der Theoretiker kann sich nicht auf die Rolle des neutralen Dritten zurückziehen, sondern ist zur Übernahme der Rolle eines Dialogpartners herausgefordert, der mit anderen hinsichtlich der Geltung einer Norm diskursiv ein Einverständnis herbeizuführen sucht (Habermas 1981: I, 168ff; 1983: 34ff.)

Die Kritische Theorie steht und fällt seit ihren Anfängen mit der Begründung ihres normativen Standpunktes, der den Hintergrund für eine kritische Gesellschaftsdiagnose bereitstellt. Wer, wie Horkheimer schon 1937 formulierte, eine „vom Interesse an vernünftigen Zuständen durchherrschte kritische Theorie der gegenwärtigen Gesellschaft" (Horkheimer 1937, S. 254) entwickeln will, muss Kriterien für „vernünftige Zustände" auszeichnen. Darum war die Kritische Theorie zu der (in der Folge dann in sehr unterschiedlicher Weise unternommenen) Anstrengung genötigt, hinsichtlich der von ihr vorgegebenen normativen Prämissen den Nachweis zu führen, dass diese durch eine universalistische Orientierung bestimmt seien. Horkheimer hatte, um den universalistischen Charakter des normativen Bezugspunktes zu sichern, sich auf das Faktum einer „objektiven Vernunft" berufen (Horkheimer 1967: 16ff; 162ff). Für Adorno bezeichnete „Versöhnung" die normative Basis von der aus die Kritik sich als objektive ausweisen muss (Adorno GS 6: 18, 191f). Die im Gedanken der „Versöhnung" bereits anvisierte, aber nicht entwickelte Struktur des zwanglosen Einverständnisses hat schließlich Habermas so weit expliziert, dass deutlich wurde, dass nicht ein konkretes Ideal als normativer Bezugspunkt der Theorie dienen kann, sondern allein die historisch mögliche Entfaltung des diskursiven Potentials kommunikativen Handelns. Maßstab ist nicht ein wie immer als vernünftig behaupteter konkreter Normenbestand, sondern die Erfüllung der für die Durchführung vernünftiger Diskurse erforderlichen formalen Bedingungen (Habermas 1981: II 562).

Die angedeuteten Verschiebungen (Horkheimer – Adorno – Habermas) in der normativen Grundlegung der Kritischen Theorie zeigen die andauernden Schwierigkeiten bei der Beantwortung der für die (jede) Kritische Theorie zentralen Frage nach dem normativen Gehalt der Moderne.

Die Akademische Soziologie (in der Nachfolge von Nietzsche) hat die Suche nach einem normativen unbedingten moralischen Gehalt der Moderne als Metaphysik entlarvt und – aufgegeben. Max Webers These von der Unmöglichkeit einer wissenschaftlichen Begründung von Werturteilen ging einher mit der soziologischen Entdeckung der Kontingenz von Normen als grundlegendem Signum der Moderne (Unbegründbarkeit als normativer Gehalt der modernen Gesellschaft).

Die Kritische Theorie beanspruchte von Anfang an, gegenüber der Akademischen Soziologie, interdisziplinäre Integrationsbeziehung: Philosophische Reflexion sollte mit sozialwissenschaftlicher Empirie und Zeitdiagnose produktiv verbunden werden.

Wie Sie wissen, muss das anspruchsvolle Theorieprogramm der Kritischen Theorie bis hin zu den Rekonstruktionsversuchen von Jürgen Habermas als gescheitert angesehen werden. Horkheimer und Adorno setzten in ihrer materialen Forschungsperspektive auf eine Neuformulierung der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus. Die Frage, warum der von Marx vorausgesagte Übergang zu einer postkapitalistischen Gesellschaft ausblieb und warum die Arbeiterklasse nicht zum „revolutionären Subjekt" dieses Übergangs wurde, sollte im Rahmen einer im Wesentlichen marxistischen Theorie kapitalistischer Gesellschaften (unter Einschluss insbesondere sozialpsychologischer und kulturtheoretischer Erkenntnisse) beantwortet werden. Auch die beiden herausragensten Phänomene des „Zeitalter der Extreme" (Hobsbawm 1994), nämlich der Faschismus und der Stalinismus, wurden vom Zentrum der Kritischen Theorie unter Beibehaltung der zentralen kulturkritischen Prämissen zu erklären versucht. In der „Dialektik der Aufklärung" wurde die renovierte Kapitalismus-Theorie zu einer Kritik der Aufklärung und Moderne schlechthin.

Der Topos der „instrumentellen Vernunft" geriet zum Universalschlüssel für die Erklärung der Tragödien des 20. Jahrhunderts.

Horkheimer/Adornos vernunftkritische Faschismustheorien stellten eine radikale (philosophische) Abrechung mit der spezifisch neuzeitlichen Ausprägung des Denkens dar, wie es sich im Prozess der Aufklärung entwickelt hatte. Für Horkheimer war der „Faschismus" oder „Weltfaschismus", wie er zusammen mit Adorno in deutscher Übertreibung und Selbstüberschätzung den deutschen Nationalsozialismus zu nennen pflegte. dann auch in gleicher Überspitzung „die Wahrheit der modernen Gesellschaft" mit ihrem "aufklärenden Denken" (Horkheimer 1939/40: 116). Obschon mit der Absicht angetreten, im Namen eines "intern - normativen Begriffs von Vernunft" (Schnädelbach) selbstkritisch das Programm der Aufklärung und der Moderne fortzuführen, glaubten sie angesichts des "nationalsozialistischen Terrors ... genauso deutlich erkannt zu haben, dass der Begriff eben dieses Denkens, nicht weniger als die konkreten historischen Formen, die Institutionen der Gesellschaft, in die es verflochten ist, schon den Keim zu jenem Rückschritt enthalten, der heute überall sich ereignet" (Horkheimer/Adorno 1986, IX und 3).

Mit der fragwürdigen Verallgemeinerung ihrer Kritik des Nationalsozialismus haben Horkheimer und Adorno somit einem philosophischen Denken Vorschub geleistet, das einige Aspekte pathogener Züge des Modernisierungs- und Rationalisierungsprozesses herausgreift, um diese dann zu pauschalisieren.

So nimmt es nicht wunder, dass Horkheimer auch dem stalinistischen System der Sowjetunion im Vergleich mit dem deutschen Nationalsozialismus nichts Eigentümliches abgewinnen konnte. Es wird ebenso unter die Kategorien "Staatskapitalismus" und "autoritärer Staat" subsumiert: "Die konsequenteste Art des autoritären Staats, die aus jeder Abhängigkeit vom privaten Kapital sich befreit hat, ist der integrale Etatismus oder Staatssozialismus." (Horkheimer 1987: 300). Horkheimer übernimmt hier sehr verspätet Webers Warnung, dass "jeder rationale Sozialismus" die Bürokratien der kapitalistischen Gesellschaft übernehmen und ins Unermessliche steigern würde. Gerade eine sozialistische Ordnung müsse "eine straffe bürokratische Verwaltung nach noch festeren, formalen Regeln" schaffen als die kapitalistischen. Horkheimer gehört mit seiner Analogisierung der beiden politischen Systeme damit innerhalb der Kritischen Theorie zu den ersten, die eine Art von Totalitarismusthese entwickelt haben, auch wenn er nie explizit eine Totalitarismustheorie formuliert hat. Adorno widersetzte sich immer deutlich der, wie er es nannte, "Spießbürgerweisheit, Faschismus und Kommunismus seien dasselbe" (1969: 179). Insgesamt aber muss man festhalten, dass sich die repräsentativsten Vertreter der Kritischen Theorie zwar mit totalitären Herrschaftsstrukturen beschäftigt haben, deren Dynamik aber auf die Logik der kapitalistischen Entwicklung oder - in einer späteren Phase - auf diejenige der Aufklärung reduziert. Es geht dabei nicht einfach um den marxistischen und vernunftkritischen Bezugsrahmen, der letztlich als nivellierendes und wenig erkenntnisförderndes Korsett des "Zentrums" der ersten Generation der kritischen Theorie angesehen werden muss. Neben dem totalisierenden Kapitalismus-Begriff ist dabei auch an die charakteristische "Subsumptionslogik" zu denken. Die ältere Kritische Theorie dachte das Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Sphären der entwickelten modernen Gesellschaft als ein Subsumtionsverhältnis. Die systemisch operierenden Ordnungen der Wirtschaft und der Politik durchdringen mit ihren Steuerungsimperativen zunehmend die gesamte Gesellschaft, so dass am Ende sich die Verhältnisse einer "total" "verwalteten Gesellschaft" (Adorno GS 8: 125ff., 442ff-) einstellen. Diese Subsumption greift durch die Individuen hindurch, ob diese nun in der Form des "autoritären Charakters" (Adorno) oder als durch die industrialisierte "Massenkultur" geprägte "Pseudo-Individualität" (Adorno) in Erscheinung treten. In der neueren Theorieentwicklung wird diese Diagnose der Verlaufsform moderner Gesellschaft in der Figur der Kolonialisierung der Lebenswelt (Habermas 1981:II 480 u. 522f.) weiterverfolgt.

Das Forschungsprogramm der älteren Kritischen Theorie hat in jüngster Zeit von einem "Standpunkt und aus der Erfahrung der Postmoderne" (Bauman 1995: 133) in den mit großer Resonanz aufgenommenen Arbeiten von Zygmunt Bauman eine Neuauflage erlebt ("Dialektik der Ordnung"; "Moderne und Amivalenz"; "Ansichten der Postmoderne"). Auch für Bauman sind die "Makroverbrechen" des 20. Jahrhunderts, wie sie sich in Auschwitz und dem Archipel GuLag manifestierten, "legitime Konsequenz innerer Widersprüche im aufklärerischen Projekt der Moderne selbst" (Baumann 1999: 3). Sie waren "legitime Kinder des modernen Geistes, jenes Dranges, den Fortschritt der Menschheit zur Vollkommenheit zu unterstützen und zu beschleunigen, der durchweg das hervorstechendste Merkmal der Moderne war - jener "optimistischen Ansicht, dass wissenschaftlicher und industrieller Fortschritt im Prinzip alle Beschränkungen der möglichen Anwendung von Planung, Erziehung und Sozialreform im Alltagsleben beseitigt habe", jenes Glaubens, "dass soziale Probleme endgültig gelöst werden konnten"."(Baumann 1995: 45f.) Nicht fehlende Modernität hat die Gewalt ermöglicht, sondern Prinzipien der Moderne waren eine entscheidende Voraussetzung für die Durchführung sowohl des Holocausts wie auch des stalinistisches Gesellschaftsexperiments. Die extremsten Fälle globaler Sozialtechnologie in der jüngeren Geschichte, die "totalitären" Diktaturen Hitlers und Stalins, sind wesentlich den ureigenen Prinzipien der Moderne gefolgt und Höhepunkte grundlegender "gärtnerischer" Ambivalenz des modernen Staates gewesen.

Die Akademische Sozialwissenschaft schlug einen anderen Weg ein. Auf der Grundlage von Webers Postulat der Werturteilsfreiheit entwickelte sie in einer komplexen theoriegeschichtlichen Linie ein Gegenmodell zur Marxschen Theorie von modernen Gesellschaften als kapitalistischen Gesellschaften. Marx sah in der Ökonomie den determinierenden Faktor für alle Strukturdimensionen moderner Gesellschaften. Durkheim, Simmel, Weber und Parsons bestritten nicht die dominierende Rolle des kapitalistischen Wirtschaftssystems für moderne Gesellschaften. Was sie in Abrede stellten, war die These von der Determination der Gesellschaft durch die Wirtschaft. Das von ihnen inaugurierte gesellschaftstheoretische Argumentationsmuster lässt sich in einer Formel zusammenfassen: Moderne Gesellschaften sind differenzierte Gesellschaften. In den 50er und den 60er Jahren wurden die Grundeinsichten der Klassiker der akademischen Soziologie zum Teil normativ aufgeladen und theoretisch verabsolutiert. Insbesondere bei Parsons herrscht die Tendenz vor, das westliche Grundmuster (bei ihm sogar das amerikanische) moderner Gesellschaften systemisch zu überhöhen und zu verabsolutieren. Das „System moderner Gesellschaften" (Parsons) erschien nicht als ein Muster von Modernität, sondern als das Muster moderner Gesellschaften schlechthin. Aus einer unikalen und sehr spezifischen gesellschaftlichen Konstellation wurde ein normatives Vorbild für Modernisierungsprozesse überhaupt. Die Frage, ist eine Gesellschaft oder ein Gesellschaftsmodell modern?, beantwortet sich in diesem Bezugsrahmen so: Entspricht diese Gesellschaft oder dieses Gesellschaftsmodell dem zum Grundmodell stilisierten westlichen Modell moderner Gesellschaft.

Das sowjetische Gesellschaftsmodell war aber der dezidierte Versuch, ein Gegenmodell zur westlichen Moderne zu entwerfen. Seine Strukturmerkmale und seine Zusammenbruchsdynamik lassen sich nur adäquat begreifen, wenn man es als eine spezifische, global angelegte Variante der modernen Konstellation ansieht. Ich werde dies gleich etwas näher erläutern. Lassen Sie mich zunächst thesenartig den bisherigen Grundgedanken zusammenfassen: Das komplexe Wechselspiel von normativer Theorie, Erfahrungswissenschaft und Zeitdiagnose, das jede Neufassung von Kritischer Theorie neu justieren muß, ist vor allem auf der Ebene des materialen Theorie- und Forschungsprogramms zu überdenken. Das Totalitäts- und Subsumptionsdenken, das die Kritische Theorie von Marx (und Hegel) übernommen hat, ist definitiv nicht festsetzbar. Habermas hat dies in der Theorie des kommunikativen Handelns zu überwinden gesucht. Imgrunde muß aber noch ein weiterer Schritt vollzogen werden: eine Historisierung des Verständnisses.
 

2. "Moderne"; "Modern"; "Modernität"

Weniges nur dokumentiert die Endgültigkeit und Unumkehrbarkeit der Ereignisse von 1989 so nachdrücklich wie die etwa zeitgleich einsetzende allgemeine Verortung des "real existierenden Sozialismus" auf dem Vergangenheitspol der Modernitätsskala. Der Zusammenbruch der kommunistischen Systeme war eben nicht nur ein politischer und wirtschaftlicher, es handelte sich zugleich um das Ende einer kulturellen und "moralischen Ordnung" (Vgl. insb. E. Gellner 1995). Da die schon lange brüchig und hohl gewordene Dichotomie von Kapitalismus und Sozialismus aus offensichtlichen Gründen definitiv unbrauchbar geworden war, manifestierte sich die "welthistorische Zäsur" der Ereignisse von 1989-1991 auf symbolischer und kultureller Ebene als Modernitäts- und Modernisierungsdiskurs mit umgedrehten Vorzeichen.

"Modern", "Modernität", "Moderne" stehen heute für eine unüberschaubare Vielfalt von Bedeutungen in akademischen wie außerakademischen Kontexten. "Modern", das ist das", so hat C. Geertz das "universelle Adjektiv" charakterisiert, "was wir nach Ansicht mancher von uns sind, was andere von uns verzweifelt zu sein wünschen, woran noch andere verzweifeln, weil sie es sind, oder was sie bedauern und bekämpfen oder fürchten oder, heutzutage, irgendwie zu transzendieren suchen" (Geertz 1997).

Es wäre zeitraubend und wenig ergiebig, eine definitorische Schneise durch das dichte und unübersehbare Gestrüpp der Literatur über "Moderne", "Modernität" oder "Moderne" schlagen zu wollen. Der Begriff "moderne Gesellschaften" findet heute in drei Bezügen Verwendung. Historisch sprechen wir von einer modernen Epoche, wenn wir den Zeitraum seit den radikalen Brüchen im 18. Jahrhundert meinen (Synonym mit "Neuzeit"). Geographisch und regional wird "Moderne" meist mit Westeuropa und seinen transatlantischen Ablegern identifiziert. Der westliche Übergang zur Moderne gilt häufig als Synonym und Telos von "Modernisierung" schlechthin. Schließlich (auch für uns am wichtigsten) sprechen wir von "modernen Gesellschaften", wenn wir sozialwissenschaftlich informiert ein Bündel charakteristischer und vergleichsweise dauerhafter Merkmale der Gesellschaften hervorheben wollen, die wir strukturell als "modern" auszeichnen wollen (z.B.: kapitalistische Wirtschaft, Nationalstaat, moderne Formen kollektiver Identität, neue Mechanismen sozialer Kontrolle, Demokratische Transformation, Verwissenschaftlichung, etc.).

Eine Standarddefinition der Moderne umfasst die Industrialisierung, Rationalisierung und Bürokratisierung als zentrale Strukturveränderungen im Zuge der Modernisierung. Aber das sind natürlich nur "zivilisatorische" Seiten von Modernität.
 

3. Struktur und "Zusammenbruchsdynamik" der kommunistischen Moderne"

Zunächst ist noch einmal daran zu erinnern, dass das Ende der Sowjetunion und der osteuropäischen Gesellschaften sowjetischen Typs als Resultante und Kombination zweier Prozesse aufgefasst wird, die analytisch zu unterscheiden sind: als Ergebnis eines imperialen Kollapses und des Verlustes der reproduktiven Kapazität und Integrationsfähigkeit eines spezifischen Herrschafts- und Gesellschaftssystems. Dabei wird der imperiale Kollaps und seine Folgewirkungen (wie beispielsweise Nationalismus) als Konsequenz des Verlustes der Reproduktionsfähigkeit des sowjetischen Gesellschaftstypus gesehen. Seit Mitte der 50er Jahre durchzieht die Literatur über staatssozialistische Gesellschaften in unterschiedlichen Varianten die Annahme einer „chronischen" oder „allgemeinen Krise", eines permanenten „Krisenmanagements", das Bild von selbstdestruktiven Tendenzen und Mechanismen. In ihrer klassischen Studie „Dictatorship over Needs" schrieben F. Fehér, A. Heller und G. Márkus: „Das Herannahen einer neuen und globalen Krise in den osteuropäischen Gesellschaften kündigt sich ohne jeden Zweifel an. Die gesellschaftliche Basis, auf der die poststalinistische Stabilisierung bisher ruhte, wird von den Mechanismen zerstört, die das System selbst hervorbringt" (Fehér/Heller/Márkus 1983: 38). Der hier gewählte Terminus „Zusammenbruchsdynamik" bezieht sich primär auf die „selbstdestruktiven Mechanismen" des sowjetischen Vergesellschaftungsmodus. Die zentrale These dabei ist, dass sich nach der Phase des Stalinismus in der Sowjetunion und ihren institutionellen Ablegern in Osteuropa eine systeminduzierte Informalisierung aller politischen und gesellschaftlichen Lebensbereiche beobachten lässt. Die Verbreitung informaler Mechanismen trug lange Zeit zur Stabilisierung oder zum Überleben der betrachteten Systeme bei. Insofern handelte es sich um einen Integrationsmechanismus poststalinistischer Systeme. Sie untergrub zugleich den offiziellen oder formalen Integrationsmodus der Gesellschaften sowjetischen Typs. Deshalb lässt sich auch von desintegrativen Mechanismen sprechen. Ich möchte den Grundgedanken dieser These – wiederum in Auseinandersetzung mit der vorliegenden Literatur – in drei Schritten skizzieren.

1. Gesellschaften sowjetischen Typs sind nach 1989 vor allem modernetheoretisch, differenzierungstheoretisch und institutionenanalytisch charakterisiert worden. Jede dieser disjunkten gesellschaftstheoretischen Perspektiven erhellt im impliziten Vergleich mit westlichen Gesellschaften defizitäre Aspekte des zusammengebrochenen Gesellschaftstyps. Die modernetheoretische Kennzeichnung des realen Sozialismus als „fake modernity" kontrastiert ausgehend von kulturell-zivilisatorischen Komponenten (Gewohnheiten, Symbole, Mentalitäten, Handlungsroutinen und -rituale) radikal binär östliche Gesellschaften und westliche Moderne (zivilisatorische Inkompetenz vs. zivilisatorische Kompetenz etc.) (vgl. Sztompka 1995). Sztompka hat dabei keine Probleme, von einer einheitlichen Blockkultur zu sprechen: „The imposition of similar institutional and organizational forms, similar life-ways, similar ideologies on a number of nation-states in Eastern and Central Europe, and their enforcement for several generations, enabled the communist system to create a common cultural framework over and above distinct national cultures and relatively insulated against wider global culture: the unique set of values, rules, norms, codes, standards that typify the bloc as a whole, namely the bloc culture. Even though there were obvious national variants in the manner in which these cultural precepts were implemented (the GDR was not the same as Hungary, Poland was not the same as Czechoslovakia, and so on), fundamental, underlying commonalities could be discerned. Life under communism produced a unique legacy, a peculiar cultural-civilizational syndrome" (ebd.: 240). Der Umbau der postkommunistischen Gesellschaften erscheint bei Sztompka als Transformation der „vorgetäuschten Moderne" des realen Sozialismus in die „authentische Moderne" der entwickelten demokratischen Gesellschaften des Westens.

Differenzierungstheoretische Beschreibungen des sowjetischen Vergesellschaftungsmodus kreisen natürlich um dessen unübersehbare Entdifferenzierungsphänomene. Wenn sich moderne westliche Gesellschaften durch vertikale und horizontale Differenzierung, die Institutionen des organisierten Kapitalismus und die Entwicklung separierter institutioneller, normativer und ästhetischer Wertsphären kennzeichnen lassen, dann erscheinen Gesellschaften sowjetischen Typs vor allem als Abweichung vom Modell funktional differenzierter Gesellschaften. Es ist strittig, ob sich Gesellschaften sowjetischen Typs überhaupt als geschlossen operierende Einheiten der Komplexitäts- und Risikoreduktion thematisieren lassen (vgl. Arnason 1993: 27). Es ist unstrittig, dass mit der politisierten Wirtschaft ein dauerhaftes, rationalitätsminderndes funktionales Entdifferenzierungsproblem in diesen Gesellschaften vorlag, dass das „politische Subsystem" chronisch überforderte. Es ist ungeklärt, wie sich Gesellschaften sowjetischen Typs angesichts der residualen Funktion von Geld und der hypertrophierten Funktion von Macht medientheoretisch konzeptualisieren lassen.

Von M.R. Lepsius stammt eine analytische Skizze der Institutionenordnung der DDR, von der sich behaupten lässt, dass sie institutionenanalytisch die Regime- und Systemidentität aller Gesellschaften sowjetischen Typs erfasst (vgl. Lepsius 1994, 1995a,b). Die DDR war infolge ihrer fehlenden kulturellen Identität und ihrer vollständigen existentiellen Abhängigkeit von der Sowjetunion empirisch vielleicht die weitestgehende Annäherung an das stalinistische Grundmodell. Lepsius umreißt die Institutionenordnung der DDR in sechs Punkten:

1) Institutionalisiertes Machtmonopol der kommunistischen Partei (SED) mit der Folge der Entdifferenzierung und Fusion von Wertsphären und Institutionen. Mit Ausnahme der Religion unterstanden alle anderen gesellschaftlichen Teilbereiche – Staat, Recht, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst – der „Kompetenz-Kompetenz" der Kommunistischen Partei. „Die Konsequenz dieser Situation ist eine unmittelbare Bezogenheit der Interessenbildung und der Interessendurchsetzung auf die Partei, ihre Programmlinie, Zuständigkeit und Organisationsstruktur. Durch die mangelnde institutionelle Differenzierung gibt es keine parteineutralen Räume für die Willensbildung und Entscheidungsfindung. Es stehen dafür keine von der Parteilinie unabhängigen Wertbegründungen zur Verfügung, in deren Namen und unter deren Schutz legitime Entscheidungen gegen die Parteilinie getroffen werden könnten" (Lepsius 1994: 19/20).

2) Die institutionelle Entdifferenzierung und Fusion führt zur Geltungsminderung von differenzierten Rationalitätskriterien bei der Willensbildung und Entscheidungsfindung, insbesondere der Kriterien wirtschaftlicher Effizienz und rechtlicher Zulässigkeit. Der Machterhalt der Partei ist das zentrale Rationalitätskriterium, das sich wirtschaftlich im Kriterium nominaler Planerfüllung und sozial in der Absicherung der Lebenslage manifestiert. „Planerfüllung" und Hebung des Lebensstandards richten sich auf Legitimitätssicherung des politischen Regimes und die Erfüllung sozialistischer Systemeigenschaften.

3) Das institutionalisierte Machtmonopol der KP manifestiert sich im typisch zentralistischen Organisationsmodell staatssozialistischer Gesellschaften. Partei, Staat, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, aber auch Sport und das Jagdwesen wurden als „hierarchisch gestufte Großorganisationen" zentral gesteuert. Das bedingt die für sozialistische Bürokratien typischen Züge wie Fragmentierung und Personalisierung der Willensbildung und Entscheidungsfindung, Entscheidungsunwilligkeit und Verantwortungslosigkeit, Primat der Systemloyalität gegenüber Sachkompetenz.

4) Die Elitenbildung folgte dem Nomenklaturprinzip, Selektionsmechanismen wie Vererbung, Markterfolg und freie Wahl fehlten. Nach der Beseitigung sozialer Eliten dominierte eine ideologisch relativ homogene und immobile Funktionselite, die durch politische Kooptation für höhere Positionen und durch bürokratische Beförderung für mittlere Kader rekrutiert wurde.

5) Gesellschaften sowjetischen Typs verfügten nicht über intermediäre Organisationen. „Das Führungsmonopol der SED, die Fusion von Partei- und Staatsapparat, die Verstaatlichung der Wirtschaft erlaubten keine Ausdifferenzierung von Interessengruppen, -verbänden und Organisationen mit eigener Willensbildung" (Lepsius 1994: 28). Das galt von den Gewerkschaften bis zum Kleingarten- und Kaninchenzüchterverband. Die Konformität der Machtunterworfenen war nicht notwendig „ideologisch motiviert" sondern mit den spezifischen parteistaatlichen Inklusionsmechanismen institutionell strukturiert. Alle staatssozialistischen Regime durchliefen in ihrer Geschichte wenigstens drei elitengesteuerte Entwicklungsphasen: Die erste war die Transformation der Ausgangsgesellschaften im Sinne des Machterwerbs durch Eliminierung der politischen und militärischen Gegeneliten; die zweite war die Konsolidierungsphase der Schaffung der Grundlagen eines neuen politischen Systems und einer neuen „Gemeinschaft", die der Partei den ausschließlichen Zugriff auf die Entwicklung und Definition von Institutionen, Werten und Alltagspraktiken sicherte. Die dritte Phase war die einer Neudefinition des Verhältnisses von Partei und Gesellschaft durch Inklusionsmechanismen (implizite Sozialverträge, korporatistische Strukturen, „Mitgliedschaftsstatus" mangels „Staatsbürgerschaftsstatus" etc.).

6) Schließlich betont Lepsius, dass die fehlende ausdifferenzierte Öffentlichkeit eine „Schließung der zugelassenen kognitiven Situationsdefinitionen" bedingte.

Lepsius skizziert mit diesen sechs Merkmalen die „Institutionenordnung" der DDR; dies entspricht weitgehend dem, was J. Kornai in seiner korrespondierenden ökonomischen Analyse „Das sozialistische System. Die politische Ökonomie des Kommunismus" (1992/1995) die „Anatomie des klassischen Systems" genannt hat. Institutionenanalytisch bieten Gesellschaften sowjetischen Typs ein Bild der Entdifferenzierung, Fusion und Institutionen-Armut. Im Grunde ist die Systemintegration unter diesen institutionellen Rahmenbedingungen von Parteistaat und seinen Apparaten zu leisten, der sich wirtschaftlich als redistributive Kommando- oder Mobilisierungswirtschaft und kulturell als Erziehungsdiktatur und „Diktatur über die Bedürfnisse" darstellt. In dieser „Institutionenordnung" gibt es nur ein positiv definiertes Element: die spezifische politische Institution und Organisation der kommunistischen Partei oder „Partei neuen Typus". In der Tat ist die institutionelle Innovation, die der Bolschewismus oder Leninismus hervorgebracht hat, in dieser Monopolpartei zu sehen, die sich dem herkömmlichen Verständnis politischer Parteien entzieht. Die institutionelle Armut und organisatorische Rigidität leninistischer Systeme führte von Anfang an zu erheblichen Dysfunktionen und Desintegrationserscheinungen. So verweisen jüngere Studien über die Hochzeit des Stalinismus darauf, dass dieser keineswegs als so totalitär-monolithisch angesehen werden kann, wie dies häufig geschieht. Die stalinistische Sowjetunion war in vielerlei Hinsicht eine desorganisierte und dysfunktionale Gesellschaft (vgl. Filtzer 1992). Die Sowjetunion und die anderen Gesellschaften sowjetischen Typs waren daher stets und in wachsendem Maße auf systemfremde Anpassungsstrategien angewiesen, um zu überleben.

2. Durchforstet man die breitgefächerte Literatur, die in den vergangenen Jahrzehnten zur Konzeptualisierung von Gesellschaften sowjetischen Typs unter dem Gesichtspunkt ihrer institutionellen Verfasstheit und der dadurch erzwungenen Anpassungsstrategien entstanden ist, dann lassen sich mindestens drei Zugangsweisen unterscheiden, die Stabilitäts- und Zusammenbruchsaspekte kombinieren. Ich fasse sie als Substitutions-These (1), Hybridisierungs-These (2) und Informalisierungs-These (3) zusammen.

Nach der „Substitutionsthese" (vgl. Jowitt 1992) war der Leninismus als Ideologie, als politische Bewegung und „Partei neuen Typus" und schließlich als etabliertes politisches und ökonomisches „System" (oder „Nicht-System") in einigen peripheren Ländern mit ruraler Sozialstruktur und nichtfeudalen Traditionen ein wirksames institutionelles Substitut für jenen Typus von Klassengesellschaft und Klassenstruktur, der im 19. Jahrhundert in den westeuropäischen Industriegesellschaften entstand. Diese institutionelle Innovation knüpfte in einigen Aspekten an die institutionelle und kulturelle Struktur der bäuerlichen Statusgesellschaften an, in denen sie Platz griff, zerstörte diese aber auch in wesentlichen Aspekten. Die stalinistische Kollektivierung ist in dieser Lesart ein Prozess der institutionellen Substitution von sozialen Eliten durch „Organisations-Eliten" und vor allem von sozialen Produktionsweisen (bäuerliche Haushalte, Dorfgemeinschaften etc. als Institutionen und Formen sozialer, wirtschaftlicher und politischer Machtausübung) durch formale Organisationen leninistischen Typs (Sowchosen, Kolchosen als korporative Gruppen), die den sozialen und kulturellen Handlungsrahmen bildeten. Kollektivierung, Industrialisierung und Bildungsrevolution sind also nicht nur als politische und wirtschaftliche Zerstörung der Existenzgrundlagen von Grundbesitzern und Kulaken und als Maßnahme forcierter Industrialisierung zu verstehen. Es handelt sich vor allem auch um wirksame Attacken auf die sozialen Institutionen und kulturellen Orientierungen der bäuerlichen Gesellschaft. Die leninistische Partei und das leninistische Regime werden bei diesem Ansatz als eine institutionell neuartige Konfiguration von charismatischen, traditionalen und modernen Elementen charakterisiert. Die leninistische politische Organisation ist eine Kombination ständischer (traditionaler) und klassenförmiger (moderner) Elemente im institutionellen Bezugsrahmen einer unpersönlich-charismatischen Organisation. Traditionale Züge trägt beispielsweise die ausgeprägte Tendenz leninistischer Parteien, zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern strikt zu differenzieren, oder die ausgeprägte Betonung der Sicherheits- und Protektionsfunktion, die von der Zugehörigkeit zu einer klar abgegrenzten und geschlossenen Gruppe ausgeht. Auch die Betonung der „Einzelleitung" und die zeitweise faktisch unbegrenzte Konzentration von Macht in den Händen einzelner „Kader" haben durchaus traditionale oder patrimoniale Ursprünge. Modern dagegen sind die Klassenorientierung, die Wissenschafts- und Technikgläubigkeit und die Planungseuphorie. Zentral freilich ist das Selbstverständnis leninistischer Parteien als Organisationen von Berufsrevolutionären: Revolution und Beruf, individueller Heroismus und leidenschaftsloser Dienst an der Sache, revolutionärer Heroismus als unpersönlicher Dienst an der Sache im Rahmen eines spezifischen politischen Verbandes, dies ist tatsächlich ohne historisches Beispiel. Die Leninistische Partei kombinierte Heroismus und Unpersönlichkeit, charismatische Willkür (d.h. Antipathie gegenüber rationalen Verfahren und Kalkulierbarkeit) mit dem Anspruch auf rein rationale wissenschaftliche Analyse der Gesetze und des Ganges der Geschichte. Dieses historisch neuartige Amalgam von „Leitideen" im Sinne der Institutionenanalyse von M.R. Lepsius manifestierte sich am sinnfälligsten in der Formel von der „Parteilinie". Im Rahmen dieses Ansatzes lässt sich der Verfall bzw. Zusammenbruch der leninistischen Parteiherrschaft als ein endogener Wandlungsprozess der kommunistischen Partei im Anschluss an M. Webers Konzeption der Veralltäglichung (hier Prebendalisierung) von Charisma konzeptualisieren (vgl. Jowitt 1992: 121-158; dazu: Ettrich 1992). Dieser Wandel setzte nicht erst 1989 ein, sondern durchzog im wachsenden Maße die gesamte poststalinistische Geschichte dieser Systeme durch die Ersetzung oder Überlagerung des „heroischen" und „selbstlosen" Einsatzes bei der Verwirklichung der „Parteilinie" durch die rationale Verfolgung persönlicher Interessen bei Teilen der politischen Elite und des Partei- und Staatsapparates. Er brachte den allmählichen Verlust der Fähigkeit des Parteistaates mit sich, Gehorsam und Disziplin bei den eigenen Funktionären zu erzwingen.

Die These vom hybriden Charakter staatsozialistischer Gesellschaften besagt im Grundsatz, dass diese Systeme infolge ihrer institutionellen Defizite gezwungen waren, „Anleihen" bei anderen, systemfremden Arrangements vorzunehmen. Dabei geht es zum einen um die Folgewirkungen der selbstgesteuerten Reformversuche leninistischer Systeme („NÖP"; „Neues System der Leitung und Planung"; Preis- und Marktreformen; aber auch: „Arbeiterselbstverwaltung" oder „Marktsozialismus"; „Perestroika"). Zum anderen geht es um spontane Institutionalisierungsprozesse im Gefolge wirtschaftlicher und politischer Liberalisierungstendenzen. Dafür steht vor allem das breit diskutierte Phänomen der „zweiten Wirtschaft" (vgl. Grossmann 1977; vor allem: Róna-Tas 1990) und der „zweiten Gesellschaft" (vgl. Hankiss 1988). 1990 charakterisierte Elemér Hankiss die späte staatssozialistische Gesellschaft als eine „hybride Gesellschaft", „in der das Zusammenwirken heterogener Organisationsprinzipien die wirtschaftliche und soziale Entwicklung während der 1960er, 1970er und 1980er Jahre obstruierte und wo diese Hybridisierung den Übergang zu einer demokratischen Politik und einer Marktwirtschaft extrem schwierig gestaltete (Hankiss 1990: 184). Ein anachronistisches und hybrides Institutionengefüge in Wirtschaft und Politik, ein verworrenes und sich auflösendes Wertesystem, Unsicherheit und Unschlüssigkeit erschwerten die Konstitution eines sozialökonomischen Systems, mit dem sich diese Länder auf einen Kurs dynamischer Entwicklung bringen lassen. Hankiss’ Grundüberlegung war, dass die staatsozialistischen Gesellschaften in den 70 bzw. 40 Jahren ihrer Existenz ja stets Transformationsgesellschaften gewesen sind, die infolge des rigiden und hierarchischen Institutionensystems nicht mit dem Problem der Lenkung komplexer Gesellschaften umzugehen vermochten. Infolge der Defizite begannen alternative Organisationsprinzipien in die sozialen und wirtschaftlichen Bereiche einzudringen. Der Terminus „Organisationsprinzipien", den Hankiss im Anschluss an J. Habermas, C. Offe u.a. einführt, steht für „Institutionen" ebenso wie für „Strukturen", „Netzwerke" oder „soziale Mechanismen". Er lässt sich vielleicht am besten exemplarisch klären. In der Wirtschaft des Ungarn der Kadar-Ära sieht Hankiss mindestens drei „Organisationsprinzipien" wirken: neben dem „klassischen" Prinzip der „Kommandoplanung und Redistribution" findet sich ein „System von Marktmechanismen", die sogenannte „Zweite Wirtschaft", und ein System des „administrativen Marktes", das gewissermaßen die Interpentrationsphäre von redistributiver Kommandowirtschaft und „second economy" darstellt. Analoge „Hybridisierungsprozesse" lassen sich in den Bereichen der Politik und der Kultur ausmachen (vgl. Hankiss 1990: 196). Insgesamt zeichnet Hankiss für die Spätphase des realen Sozialismus am Beispiel Ungarns ein Bild subsystemischer und inter-subsystemischer Obstruktions- und Blockade-Mechanismen, das zwar nicht unmittelbar zu einer Zusammenbruchs-These führt, aber die enorme Labilität der sozialistischen Gesellschaftssysteme evident werden lässt.

Die Informalisierungs-These ist nach 1989 in der deutschen soziologischen Debatte von I. Srubar an prominenter Stelle vorgetragen worden (Srubar 1991). Srubar zeigt, dass die für Gesellschaften sowjetischen Typs charakteristische „Privatisierung des Staates durch die Partei" und „Verstaatlichung der Wirtschaft" (ebd.: 418) für die Struktur sozialer Integrationsmechanismen folgenreich war. Die mit der kommunistischen Parteiherrschaft verbundene Aufhebung der Kontrollierbarkeit und Kalkulierbarkeit der Macht führte nicht nur zu einer „politischen Politisierung", sie hatte auch eine „persönliche Privatisierung" in Form von Korruption und Patronage zur Folge (vgl. ebd.: 419/429). Die Verstaatlichung der Wirtschaft wiederum und die Planwirtschaft sowjetischen Typs ließen „Mangelwirtschaft" (vgl. Kornai 1995: 295f.) zu einem grundlegendem Merkmal der staatssozialistischen Wirtschaftssysteme werden. Das machte „Umverteilungsnetzwerke" und die „konsumbezogene Reprivatisierung staatlicher Ressourcen" zu einem systeminduzierten sozialen und normativen Integrationsmechanismus staatssozialistischer Systeme (vgl. Srubar 1991: 420/421).

3. Es kann ernsthaft bezweifelt werden, ob aus der Analyse der informalen Integrationsmechanismen – man kann durchaus von einem informalen Integrationsmodus sprechen – nichtnormative Kriterien für die Modernität von Gesellschaften sowjetischen Typs gewonnen werden können. In diesen Gesellschaften erfolgte soziale Integration in wachsendem Maße und offiziell niemals anerkannt durch eine Symbiose öffentlicher und privater Aktivitäten in einer Form systemspezifischer Privatisierung anscheinend öffentlicher politischer, staatlicher und wirtschaftlicher Institutionen. Das unterschied sie vom Selbstbild einer dominant formal-rationalen öffentlichen Kultur in westlichen Gesellschaften. Wie die Anthropologin L.A. Lomnitz jedoch betont, ist das Vorhandensein informaler Mechanismen nicht ein Kriterium für die Modernität einer formalen Struktur, sondern für deren Defizite und Inadäquatheiten (Lomnitz 1988). Grundsätzlich können auch moderne Institutionen gut oder schlecht funktionieren. Für die Kohärenz und systemische Identität staatssozialistischer Gesellschaften freilich war die wachsende Informalisierung der politischen, wirtschaftlichen Institutionen und des Alltagslebens von selbstzerstörerischer Wirkung. Sie untergrub nicht nur schleichend die offizielle politische Kultur und damit eine Legitimationsquelle dieser Gesellschaften (vgl. Holmes 1993). Sie untergrub auch die anderen Machtquellen kommunistischer Parteiherrschaft. Grundsätzlich basierte und funktionierte kommunistische Parteiherrschaft nur als realisierte oder wenigstens wirksam beanspruchte Konzentration und Monopolisierung aller ideologischen, politischen, wirtschaftlichen und militärischen Machtquellen (Mann 1990). Die meisten der systemspezifischen informellen Mechanismen stellten jedoch nichtintendiert eine faktische Schwächung der Machtquellen des Parteistaates dar. Paradigmatisch sei noch einmal auf die „zweite Wirtschaft" verwiesen, die nicht nur die Entstehung einer vom Parteistaat unabhängigen Sphäre wirtschaftlicher Aktivitäten und Einkommensquellen darstellte. In wachsendem Maße bot sie den Wirtschafts- und Parteifunktionären selbst Möglichkeiten zusätzlicher Einkommensquellen und wirtschaftlicher Unabhängigkeit vom lange Zeit einzigen und alleinigen Arbeitgeber – dem Parteistaat (vgl. Rona-Tas 1990; Walder 1994).

Zusammenfassend kann man sagen: Die Zusammenbruchsdynamik staatssozialistischer Gesellschaften beinhaltete herrschaftssoziologisch zwei grundlegende Wandlungsprozesse: Den wachsenden Verlust der Fähigkeit des Parteistaates, bei den eigenen Funktionären, Legitimitätsglauben, Gehorsam und Disziplin durchsetzen zu können und den Niedergang der Fähigkeit der Funktionäre des Parteistaates, von den machtunterworfenen Bevölkerungen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Motivation und Disziplin beim lange zur Phrase degenerierten „sozialistischen Aufbau" zu verlangen.

5. Schluss

Die unter dem Stichwort „Zusammenbruchsdynamik" vorgetragene Argumentation lässt transparent werden, warum die Ereignisse 1989-91 nicht das Schicksal der Ereignisse von 1953 (DDR), 1956 (Ungarn, Polen), 1968 (Tschechoslowakei) oder 1980 (Polen) teilten. Erst wenn sich die herrschenden Strukturen einer Gesellschaft in einem klaren Stadium des Niedergangs oder Zerfalls befinden, können politische Mobilisierungsprozesse wie die von 1989 in den Zusammenbruch ganzer gesellschaftlicher Systeme einmünden. Eingebettet waren diese makrosozialen Wandlungsprozesse in ein Bündel weiterer kausaler Faktoren, die die „unerhörter Begebenheit" zu einem historisch kontingenten Ereignis werden ließen.


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Universidad Complutense de Madrid | Theoria: Proyecto Crítico de Ciencias Sociales | E-mail: marxismo@theoria.org

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