Untersuchungen zu Vorkommen und Funktionen von après tout

 

clac 4/2000

 

Daniela Philippi

 

Freie Universität Berlin

 

In Teil I [von 'Après tout' als pragmatischer Indikator im Französischen] wurden durch einzelne Bestimmungen und Klassifizierungen ver­schiedene Eigenschaften und Funktionen des Indikators après tout erörtert. Was jedoch nach wie vor fehlt, ist eine zufriedenstellende gesamtheit­liche Bestimmung des Indikators, die es ermöglicht, sowohl alle Vorkommen zu bestimmen als auch die Verbindungen zwischen verschiedenen Typen des Gebrauchs aufzuzeigen. Dies kann nur dann erreicht werden, wenn eine gemeinsame Wurzel aller Vorkommen sowie unterscheidende Merkmale zwischen den verschiedenen Verwendungsarten gefunden wer­den.

Ich möchte im zweiten Teil dieser Arbeit den Versuch unternehmen, eine umfassende Bestimmung zu erstellen, die diesen Anforderungen gerecht wird. Als Methode scheint mir eine prozedurale Herangehensweise geeignet, nach der teilweise in späteren Entwicklungsstadien des "Genfer Modells" bei der Analyse pragmatischer Indikatoren verfahren wurde.[111]

De façon contrastive, la pragmatique de la pertinence n'appartient pas au paradigme des approches structuralistes. Elle se situe au contraire dans le champ de la psychologie cognitive, où la descrip­tion concerne les aspects procéduraux du traitement de l'information. L'interprétation est donc considérée comme un processus, se déroulant dans le temps, de même qu'un énoncé est envisagé comme une séquence d'unités, dont le traitment est obligatoirement contraint à la dimension linéaire du signal linguistique (Moeschler 1988: 67).

Methodisch wird in Anlehnung an die Relevanztheorie so vorgegangen, diverse Anweisungen, die ein Indikator je nach Art des Gebrauchs erteilt, hierarchisch zu verbinden. Die Anweisungen entsprechen einzelnen Etap­pen im Interpretationsprozeß.

 

Den Rahmen der Analyse bildet die auf der Relevanztheorie basierende inferentielle Pragmatik. Konnektoren werden dabei als Elemente defi­niert, die den Interpretationsprozeß in der Kommunikation leiten. Sie tra­gen zum Verständnis der Äußerungen bei, in denen sie vorkommen, indem sie Anweisungen erteilen, die die Verbindungen zwischen den Äußerungen und dem Kontext indizieren. Dieser wird definiert als eine Menge von Propositionen:

L'idée d'un connecteur faisant la jonction entre énoncés et contextes peut sembler de prime abord quelque peu extravagante. Mais une fois admise la définition du contexte en termes de propositions, une telle notion apparaît comme étendant la notion standard de con­necteur plutôt que s'en séparant (Brockway 1982: 21).

Nach der Relevanztheorie wird die Sprache als ein Instrument zur Be­schreibung, d.h. zur Übermittlung von Informationen aufgefaßt (Luscher 1989: 106). Es wird davon ausgegangen, daß die Kommunikation ostensiv-inferentiell ist:

- Sie ist ostensiv, da die Kommunikationshandlung darin besteht, einen Stimulus (bei verbaler Kommunikation eine Äußerung) zu produzieren, der den Kommunizierenden wechselseitig klar macht, daß der Sender die Absicht hat, durch diesen Stimulus dem Adressaten eine Menge von An­nahmen offenzulegen.[112] Das Ziel des Senders ist, das kognitive Umfeld des Adressaten zu verändern, indem Annahmen hinzugefügt, verstärkt oder supprimiert werden.

- Die Kommunikation ist inferentiell, da (im Gegensatz zur rein kodierten Kommunikation) ein deduktiv inferentieller Prozeß für das Verstehen notwendig ist.

Die Verarbeitung linguistischer Information läuft nach der Relevanztheorie in drei Etappen ab:

1)  Die unmittelbare Wahrnehmung wird "übersetzt", um vom Denksystem verarbeitet werden zu können;

2)  Das dabei erhaltene Ausgangsmaterial wird in spezifischen peripheren Systemen dekodiert und erhält eine logische Form;

3)  Die logische Form wird im zentralen (unspezifischen) System durch einen deduktiven Mechanismus interpretiert, bei dem der Kontext (eine Menge von Informationen propositionaler Form verschiedenen Ur­sprungs) miteinbezogen wird (Luscher 1989: 106f.).

Für die Wahl eines ganz bestimmten Kontextes aus den potentiellen Kontexten einer Äußerung ist Relevanzprinzip verantwortlich. Dieses gibt vor, daß von allen möglichen Äußerungen die produzierte Äußerung in den gegebenen Umständen die relevanteste ist:

Principe de pertinence.

Tout acte de communication ostensive communique la présomption de sa propre pertinence optimale" (Sperber/Wilson 1989: 237).

Jede Äußerung garantiert ihre eigene optimale Relevanz und ist es somit wert, interpretiert zu werden.

Die Anweisungen der Konnektoren sind für die inferentielle Etappe des Verarbeitungsprozesses wichtig. Sie tragen dazu bei, eine Äußerung so zu interpretieren, daß sie optimal relevant ist, da sie zwischen der Äußerung und dem Kontext eine Verbindung herstellen.

La thèse centrale que nous défendons est que, loin de constituer des entités sémantiques et pragmatiques homogènes, les connecteurs sont caractérisés par un ensemble de propriétés sémantiques et pragmatiques (leurs instructions) dont l'application partielle ou to­tale correspond à tel ou tel type d'emploi. Le connecteur a donc une fonction de guidage visant l'optimalisation de la pertinence. Le guidage peut se réduire à une facilitation lorsque le parcours est simple; mais il peut également signifier complexification et efforts interprétatifs importants lorsque le parcours dans la procédure est complexe. La question centrale est bien évidemment celle de la représentation d'une telle procédure (Luscher/Moeschler 1990: 90).

In Anlehnung an Luscher (1989; 1994) und Luscher/Moeschler (1990) gehe ich davon aus, daß sich die verschiedenen Vorkommen eines Indika­tors durch Anweisungen, die jeweils einen unterschiedlichen Rang im In­terpretationsprozeß haben, bestimmen lassen. Die Hierarchie der Anwei­sungen entspricht einer Hierarchie des Gebrauchs:

1)  Primäre Anweisungen (instructions de premier niveau) werden vom Indikator obligatorisch in jedem Vorkommen erteilt;

2)  Sekundäre Anweisungen (instructions de second niveau) werden vom Indikator nur in bestimmten Vorkommen erteilt, nämlich dann, wenn die primären Anweisungen nicht ausreichen, um die Äußerung vollständig zu interpretieren.[113] Die sekundären Anweisungen werden vom deduktiven Mechanismus ausgesucht, um die Relevanz der Äuße­rung zu optimieren:

Après l'application du groupe instructionnel de premier niveau, c'est le principe de pertinence qui décide de la poursuite ou de l'arrêt du parcours dans la procédure. La complexification des interprétations correspond ainsi à la profondeur des parcours dans la procédure d'interprétation: moins la procédure est parcourue, plus l'inter­prétation est simple et moins les effets contextuels sont grands; plus la procédure est parcourue, plus l'interprétation est complexe et plus les effets contextuels sont nombreux (Luscher/Moeschler 1990: 83).

 

Vor der folgenden Bestimmung der Anweisungen von après tout soll noch kurz (in Anlehnung an Moeschler (1988; 1989c; 1994b)) das Verständnis einiger grundlegender Termini erläutert werden, die bei der Determination der Anweisungen und der Arten des Gebrauchs des Konnektors verwendet werden.

Unter Annahme (assomption) wird ein Gedanke verstanden, den ein Individuum als Repräsentation der tatsächlichen Welt behandelt. Antizipa­torische Hypothesen (hypothèses anticipatoires) sind Annahmen, die zu einem späteren Zeitpunkt bestätigt, zurückgenommen oder verstärkt wer­den müssen. Annahmen, die durch den deduktiven Mechanismus im Laufe der Informationsverarbeitung (bedingt durch vorausgehende Äußerungen oder durch das physische Umfeld) gebildet werden, konstituieren den unmittelbaren Kontext (contexte immédiat) für die Interpretation einer neuen Äußerung. Dieser kann in einer vorausgehenden Äußerung expli­ziert werden oder implizit bleiben. Der unmittelbare Kontext unterscheidet sich vom entfernten Kontext (contexte éloigné), der dem im Langzeitge­dächtnis gespeicherten enzyklopädischen Wissen, also bereits vorhandenen Annahmen der Kommunizierenden, entspricht. Wie bereits erwähnt, be­steht der Kontext immer aus einer Menge von Propositionen. Kontextu­elle Implikationen (implications contextuelles) resultieren aus der Summe der Propositionen, die jeweils den Kontext und die Äußerung bilden. Implikaturen (implicatures) einer Äußerung sind alle implizit kommunizierten Annahmen. Jede Implikatur ist entweder eine implizierte Prämisse oder eine implizierte Konklusion. Unter einer implizierten Prämisse (prémisse impliquée) wird die kontextuelle Annahme verstan­den, die in den gegebenen Umständen jeweils am zugänglichsten ist und die am stichhaltigsten die optimale Relevanz garantiert. Von einer impli­zierten Konklusion (conclusion impliquée) ist dann die Rede, wenn eine Äußerung nur dann relevant ist, wenn aus der Äußerung und dem Kontext eine Konklusion abgeleitet wird.

 

Für die Ermittlung verschiedener Typen des Gebrauchs von après tout wurde ein Korpus von insgesamt 112 authentischen Vorkommen im schriftlichen Diskurs untersucht. Es handelt sich dabei um literarische Texte, die in der Zeit von 1831 bis 1920 verfaßt wurden. Um ein mög­lichst breites Spektrum des Gebrauchs zu erhalten, wurden Texte ver­schiedener Gattungen und verschiedener Autoren analysiert.[114]

Ausgehend von der Annahme Blakemores (vgl. Kapitel 2.4.3.1), daß die Interpretationen einzelner Konstituenten sich wechselseitig beeinflussen, wird die Bestimmung der Anweisungen und die Differenzierung unter­schiedlicher Arten der Verwendung von après tout von folgender Hypo­these hergeleitet:

Après tout markiert eine Verbindung zwischen drei Diskurseinheiten:

·     Es markiert als Konnektor immer eine Verbindung zwischen der Kon­stituente, der es angegliedert ist bzw. dem Bearbeitungsausdruck Q und einem entfernten Bezugskontext, wobei das Morphem tout auf die Gesamtheit T einer (näher zu bestimmenden) Art von im Kontext ent­haltenen impliziten Elementen verweist. Erst durch den Gebrauch von après tout wird T dem Adressaten zugänglich gemacht. Q ist in den meisten Fällen expliziert.

·     Après tout modifiziert gleichzeitig auch immer eine Verbindung zwi­schen Q und einer aus dem unmittelbaren Kontext entnommenen An­nahme, die dem Sender und Adressaten wechselseitig offenkundig ist bzw. dem unmittelbaren Bezugsausdruck P. P ist häufig eine explizierte Konstituente, in einigen Vorkommen bleibt es jedoch implizit. P be­stimmt die Auswahl von T.

In gewisser Hinsicht könnte diese Hypothese als eine Erweiterung der in Kapitel 3 dargestellten Annahme Hossbachs (1995) aufgefaßt werden, nach der sich nicht-paraphrastische reformulative Indikatoren immer auch auf implizite Einheiten p(1-n) beziehen. Aber im Unterschied zu Hossbach und zu anderen Funktionsbestimmungen pragmatischer Indikatoren fasse ich die impliziten und/oder expliziten Konstituenten, auf die der Konnektor zurückverweist, hier nicht in einer Bezugseinheit p bzw. p(1-n) zusammen, sondern ich gehe davon aus, daß après tout auf zwei unterschiedlich gear­tete Einheiten bzw. Annahmen zurückverweist: Einerseits verweist après tout auf eine aus dem unmittelbaren Kontext ableitbare Konstituente P (zumeist ist es die dem Konnektor unmittelbar vorangestellte explizite Konstituente), andererseits verweist es auf T, eine Menge von im entfern­ten Kontext enthaltenen Annahmen, die erst durch den Verweis des Indi­kators für den Adressaten zugänglich gemacht wird. Après tout markiert also einen dreifachen Bezug: Es verweist sowohl auf T, den entfernten Bezugskontext, als auch auf den unmittelbaren Bezugsausdruck P, der T bestimmt, sowie auf den Bearbeitungsausdruck Q.[115]

Ferner wird angenommen, daß die Verbindungsherstellung zu T und die nachträgliche Modalisierung einer existierenden Verbindung zwischen P und Q zu den primären Anweisungen des Konnektors gehören, die dieser in jedem Vorkommen erteilt, die Verbindungsherstellung zwischen P und Q hingegen zu den sekundären Anweisungen, die er nur in ganz spezifi­schen Verwendungsarten erteilt.

 

Die Zielsetzung dieser empirischen Untersuchung ist, wie schon erwähnt, eine hierarchische Erfassung der primären und sekundären Anweisungen von après tout und eine daraus ableitbare Erklärbarkeit verschiedener Typen des Gebrauchs. Diese lassen sich durch die unterschiedlichen Be­stimmungen der Konstituenten P, Q und T sowie durch deren Verbindun­gen untereinander differenzieren.

Durch die beiden heuristischen Verfahren des Supprimierens und der Substitution des Indikators durch andere Ausdrücke kann zum einen fest­gestellt werden, ob eine bestimmte Interpretation einer gegebenen Äuße­rung tatsächlich durch primäre oder sekundäre Anweisungen des Indika­tors bedingt ist oder auf den Kontext, in den die Äußerung eingebettet ist, zurückgeführt werden kann. Zum anderen kann ebenfalls bestimmt wer­den, in welchem ganz spezifischen Gebrauch après tout durch diese oder andere Ausdrücke ersetzt werden kann, d.h., welche Anweisungen es mit anderen Indikatoren teilt.

Die Ausdrücke, die in die Substitutionstests miteinbezogen werden, sind sowohl die bereits bei der modularen Bestimmung berücksichtigten Aus­drücke enfin, en définitive, en fin de compte, finalement, tout compte fait, somme toute, tout bien considéré, die als die Entsprechungen definiert wurden, die après tout am nächsten stehen, als auch drei prototypische Vertreter argumentativer Indikatoren: der konzessive argumentative Indi­kator mais, der begründende argumentative Indikator car und der konklu­sive argumentative Indikator donc. Die Wahl dieser drei argumentativen Indikatoren ist dadurch zu begründen, daß eine mögliche Substitution durch einen der drei argumentativen Indikatoren darauf hinweisen kann, daß eine bestimmte argumentative Relation zwischen den Konstituenten P und Q besteht. Ob diese Ausdrücke gegebenenfalls auch als Entsprechun­gen von après tout betrachtet werden können, wird noch zu prüfen sein. Auf diese Art können die in Teil I dargestellten Probleme der Bestimmung von après tout als reformulativer und als argumentativer Indikator sowie als Indikator verschiedener argumentativer Relationen näher betrachtet werden. Diese sowie die anderen im ersten Teil präsentierten Funktionsbestimmungen sollen schließlich mit Hilfe der prozeduralen Bestimmung von après tout in eine umfassende Bestimmung integriert werden.

5          Semantisch-morphologische und semantisch-pragmatische Anweisungen von après tout

5.1         Semantisch-morphologische Anweisungen: der referentielle Rückbezug auf T

Durch seine semantisch-morphologischen Eigenschaften verweist après tout aufgrund des Morphems tout immer auf einen entfernten Kontext. Wenn sich ein Sender ausschließlich auf einen unmittelbaren Bezugsaus­druck P beziehen will, markiert er dies durch Hinzufügen von cela, das anaphorisch auf P verweist (après tout cela). Dadurch verliert après tout jedoch seine Funktion als pragmatischer Indikator. Der Verweis auf den entfernten Kontext gehört somit schon zu den semantisch-morphologi­schen Eigenschaften von après tout. Anders ausgedrückt kann après tout schon auf semantisch-morphologischer Ebene als ein Konnektor bezeich­net werden.[116] Der Adressat muß immer inferieren, worauf sich tout be­zieht. Gleichzeitig ist dieser Verweis durch das Morphem après immer ein Rückverweis. Die Anweisung, die après tout durch seine semantisch-mor­phologischen Eigenschaften in einer Sequenz après tout Q erteilt und die allen Verwendungen des Indikators zugrunde liegt, ist:

(A1): Q folgt rückweisend auf T.

5.2         Semantisch-pragmatische Anweisungen

Ein Gebrauch von après tout, bei dem die Anweisung (A1) für den Inter­pretationsprozeß einer Äußerung ausreicht, existiert nicht. Denn T wird von P bestimmt und kann infolgedessen ohne P nicht identifiziert werden. Folgende Anweisungen werden somit weiterhin vorausgesetzt und können als primäre Anweisungen bestimmt werden:

(A2):  P und Q sind als aus dem unmittelbaren Kon­text ableitbare Annahmen zu identifizieren, die dem Adressaten und dem Sender wechsel­seitig offenkundig sind.

(A3):  ausgehend von P ist eine Gesamtheit T im ent­fernten Kontext zu identifizieren.

Auch ein Vorkommen, in dem sich der Indikator auf die drei Anweisungen (A1)-(A3) reduzieren läßt, konnte nicht gefunden werden.

 

Da nach der Hypothese, die die Basis für die vorliegenden Untersuchungen bildet, après tout immer eine bestehende Verbindung zwischen P und Q modalisiert, sollen im folgenden weitere Anweisungen des Konnektors ausgehend von seinem Gebrauch als Modifikator erörtert werden, bei dem die modalisierende Funktion am offensichtlichsten ist.[117]

6          Verwendungen von après tout

6.1         Gebrauch als Modifikator

In den Beispielen (1) und (2) hat après tout die Funktion eines Modifika­tors (vgl. Kapitel 2.3.1):

(1)         On devine que le but du prêteur n'était pas seulement de tirer un profit quelconque d'une affaire, fort minime après tout pour lui, mais d'entrer en relations avec le jeune comte, dont il connaissait l'immense fortune à venir.

              (Bsp. (25) in Teil I, vgl. S. 85)

(2)         Mlle Saget eut un nouveau rire. Et quand elle fut seule, comme elle retournait rue pirouette, elle pensa que "ces trois pécores" ne valaient pas la corde pour les pendre. D'ailleurs, on avait pu la voir, il serait très mauvais de se brouiller avec les Quenu-Gradelle, des gens riches et estimés après tout.

              (Bsp. (26) in Teil I, vgl. S. 85)

In diesen Beispielen konstituiert jeweils ein Adjektiv (fort minime pour lui bzw. riches et estimés) den Bearbeitungsausdruck Q, der durch den Ge­brauch von après tout modifiziert wird. Daß Q eine nicht-satzwertige Einheit ist, kann dadurch veranschaulicht werden, daß après tout nur in­nerhalb der modifizierten Konstituente syntaktisch verschoben werden kann, sonst aber in keiner anderen Position der Äußerung stehen kann, ohne diese Funktion zu verlieren:

(2')        D'ailleurs, on avait pu la voir, il serait très mauvais de se brouiller avec les Quenu-Gradelle, des gens après tout riches et estimés.

(2'')       * D'ailleurs, on avait pu la voir, il serait très mauvais de se brouiller avec les Quenu-Gradelle après tout, des gens riches et estimés.

Auch der unmittelbare Bezugsausdruck P ist in diesen Beispielen jeweils eine nicht-satzwertige Einheit: un profit quelconque d'une affaire in (1) und des gens (les Quenu-Gradelle) in (2).[118]

Die Verbindung zwischen P und Q besteht auch ohne den Gebrauch des Indikators, der in beiden Beispielen supprimiert werden kann:

(1'')       On devine que le but du prêteur n'était pas seulement de tirer un profit quelconque d'une affaire, fort minime pour lui, mais [...].

(2''')      [...], il serait très mauvais de se brouiller avec les Quenu-Gradelle, des gens riches et estimés.

Durch den Gebrauch von après tout markiert der Sender zunächst einen Rückbezug auf eine im entfernten Kontext enthaltene Menge T. T besteht in (1) und in (2) aus allen möglichen Annahmen darüber, wie der jeweilige unmittelbare Bezugsausdruck P (un profit.../des gens - les Quenu-Gra­delle) spezifiziert werden kann.

In Anlehnung an die Hypothese Rossaris (1994a), daß après tout ein re­examinierender Indikator ist, signalisiert der Sender durch den Gebrauch des Indikators, daß er die in T enthaltenen Annahmen, die über P gemacht werden können, vor der Äußerung von Q gesamtheitlich in Betracht gezo­gen hat und folglich Q vor der Äußerung reexaminiert wurde. Après tout erteilt somit die Anweisung:

(A4): Q wurde vor der Äusserung (in T) reexaminiert.

Q kann in Beispiel (1) und (2) jeweils als eine in T enthaltene Annahme betrachtet werden, die expliziert wurde.

Die Markierung, daß eine Äußerung reexaminiert wurde, setzt voraus, daß der Sender annimmt, daß an Q gezweifelt werden könnte.[119] Die An­nahmen, die Q in Frage stellen, sind, genauso wie auch Q, in Beispiel (1) und (2) Elemente aus T.

Der Ausdruck der Reexaminierung seitens des Senders kann gleichzeitig auch als eine Aufforderung an den Adressaten verstanden werden, die Reexaminierung nachzuvollziehen, um so die Erkenntnis des Senders über die Angemessenheit von Q zu teilen. Après tout erteilt auf semantisch-pragmatischer Ebene somit eine weitere Anweisung in Form einer Auffor­derung an den Adressaten:

(A5): Vollziehe selbst die Reexaminierung nach.

 

Als Modifikator verwendet kann der Indikator durch die von Rossari als reexaminierende Indikatoren bezeichneten Ausdrücke (außer in Beispiel (2) durch en définitive) substituiert werden - nicht aber durch enfin oder einen der argumentativen Indikatoren:

(1''')      On devine que le but du prêteur n'était pas seulement de tirer un profit quelconque d'une affaire, fort minime somme toute/ tout bien considéré/tout compte fait/finalement/en fin de compte/en définitive pour lui, mais [...].

(1'''')      * On devine que le but du prêteur n'était pas seulement de tirer un profit quelconque d'une affaire, fort minime enfin/ donc/ car/mais pour lui, mais [...].

(2'''')      [...], il serait très mauvais de se brouiller avec les Quenu-Gradelle, des gens riches et estimés somme toute/tout bien considéré/tout compte fait/finalement/en fin de compte.

(2''''')     * [...], il serait très mauvais de se brouiller avec les Quenu-Gradelle, des gens riches et estimés en définitive/enfin/ donc/car/mais.

Es kann deswegen vorläufig vermutet werden, daß die reexaminierenden Indikatoren mit après tout die Anweisungen (A2)-(A5) teilen. Dabei ist allerdings die Einschränkung zu machen, daß bei (A3) die im Kontext identifizierten Elemente T nur bei somme toute, tout bien considéré und tout compte fait ebenfalls als eine Gesamtheit zu verstehen sind.

Die Schwierigkeit besteht nun darin, ein unterscheidendes Merkmal zu finden, durch das après tout von seinen Entsprechungen abgegrenzt wer­den kann.

Die Anweisung (A4) kann grundsätzlich nur dann relevant sein, wenn der Sender mit dem Ausdruck der Reexaminierung eine bestimmte kom­munikative Absicht verfolgt. Meines Erachtens ist es neben den unter­schiedlichen semantisch-morphologischen Eigenschaften genau diese kommunikative Absicht, die sich hinter der Anweisung der Reexaminie­rung verbirgt, die die reexaminierenden Indikatoren voneinander unter­scheidet.

Es ist zu vermuten, daß beim Gebrauch von après tout der Sender Q ei­ner ganz bestimmten Annahme (aus T) entgegensetzt. Die Relevanz von après tout ist folglich durch die Annahme des Senders gerechtfertigt, daß zunächst eine bereits vorhandene Annahme V, die Q entgegengesetzt ist, am zugänglichsten ist. In (1) könnte diese Annahme in etwa: "habituelle­ment le profit d'une affaire est grand pour le prêteur" und in (2): "les Quenu-Gradelle sont des gens détestables" lauten. Après tout erteilt da­nach folgende Anweisungen:

(A6):  Q steht zu einer im entfernten Kontext vor­handenen und zugänglich gemachten Annahme v aus T im gegensatz.

(A7): q ordnet v unter.

V rückt erst durch den Gebrauch von après tout in Verbindung mit Q in den unmittelbaren Kontext und wird dabei gleichzeitig auch untergeordnet. Erst durch die Äußerung von après tout verleiht der Sender seiner Vermu­tung Ausdruck, daß Q einer Annahme über P, die im entfernten Kontext vorhanden ist, entgegengesetzt ist. An dieser Stelle kann erklärt werden, warum après tout nicht nur Q, sondern immer auch P modalisiert. Denn der Indikator markiert, daß über P eine Annahme gemacht wird, die Q entgegengesetzt ist.

Mit der Vermutung, daß Q durch den Gebrauch von après tout einer Annahme V entgegengehalten wird, lehne ich mich sowohl an die Hypo­these De Spenglers (1980) an, nach der p Elemente enthält, die zu q in Kontrast stehen, als auch an die Hypothesen Roulets (1990) und Franckels (1989), nach denen après tout einen Bruch zwischen p und q markiert. Während bei diesen jedoch p (das den Standpunkt enthält, der dem in q enthaltenen Standpunkt entgegengesetzt ist) entweder eine explizite oder eine implizite Konstituente sein kann, ohne daß dies in Abhängigkeit vom Gebrauch des Indikators systematisiert wird, ist hier die entgegengesetzte Annahme V klar in jedem Vorkommen als ein implizit bleibendes Element aus T definiert.

Es stellt sich nun die Frage, wessen "Stimme" V eigentlich reflektiert. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten, die in den einzelnen Vorkom­men je nach Kontext differieren können. Entweder befürchtet der Sender, daß V einer Annahme des Adressaten entspricht, die er diesem dann durch den Gebrauch von après tout unterstellt, oder aber er geht von der An­nahme einer weiteren bestimmten oder unbestimmten Person (oder eines Kollektivs) aus. Die dritte Möglichkeit ist die, daß die entgegengesetzte Annahme V, die dem Bearbeitungsausdruck Q untergeordnet wird, einer allgemeinen Annahme des Senders selbst entspricht, so daß après tout einen Meinungsumschwung markiert. So weit stimmt diese Hypothese mit der Annahme der Polyphoniemarkierung reformulativer Indikatoren über­ein (vgl. auch Kapitel 3.3). Aber im Unterschied dazu gehe ich nicht davon aus, daß Q immer die "Stimme" des Senders reflektiert (siehe Beispiel (20) in Kapitel 3.3).

Die Anweisung (A6), nach der après tout eine Annahme V aus T zu­gänglich macht, um sie der Einheit Q unterzuordnen, ist vermutlich die Anweisung, die den Indikator von seinen Entsprechungen unterscheidet. Beim Gebrauch der anderen reexaminierenden Indikatoren liegt im Unter­schied zu après tout die Absicht, die mit der Anweisung der Reexaminie­rung verfolgt wird, weniger im Ausdruck eines Gegensatzes. Für den Ge­brauch von tout bien considéré beispielsweise kann vermutet werden, daß dieser Indikator Q vielmehr als eine besonders ausgewählte und überprüfte Annahme präsentiert.[120] Die Anweisung (A6) kann somit für eine spezifi­sche Äußerungsinterpretation einer Sequenz P après tout Q verantwortlich gemacht werden, die sich von Äußerungsinterpretationen, die sich durch den Gebrauch anderer reexaminierenden Indikatoren ergeben, unterschei­det.

 

Ich gehe von der Annahme aus, daß die semantisch-morphologische An­weisung (A1) und die semantisch-pragmatischen Anweisungen (A2)-(A7), die am Beispiel des Gebrauchs des Indikators als Modifikator erörtert wurden, die primären Anweisungen von après tout sind. Im folgenden soll zum einen gezeigt werden, daß diese Anweisungen tatsächlich in allen Verwendungen von après tout erteilt werden. Zum anderen soll untersucht werden, in welchen Verwendungsarten des Indikators diese primären An­weisungen für eine Interpretation des Gebrauchs von après tout in einer Äußerung ausreichen und in welchen Verwendungsarten noch weitere sekundäre Anweisungen für eine angemessene Interpretation notwendig sind.

 

Der Gebrauch von après tout als Modifikator eines Adjektivs ist eher sel­ten.[121] In den meisten Vorkommen ist Q eine satzwertige Einheit, in der der Indikator relativ flexibel in verschiedenen Satzpositionen stehen kann (vgl. Kapitel 3.2). Für eine mögliche Substitution von après tout durch seine Entsprechungen wird in den folgenden Beispielen auch die Ersetz­barkeit bei syntaktischer Umstellung innerhalb von Q in Erwägung gezo­gen.

In den weiteren Vorkommen von après tout stehen P und Q entweder in einer argumentativen oder in einer nicht-argumentativen, kommentieren­den Relation zueinander. Durch den Gebrauch von après tout können diese Verbindungen modalisiert werden. P kann sowohl eine (in einer expliziten Äußerung) vorhandene Proposition als auch eine Äußerung an sich oder ein Ereignis sein (vgl. Kapitel 3.3). In diesem Fall läßt sich P als ein aus dem unmittelbaren Kontext ableitbarer Bezugsausdruck dennoch als Proposition formulieren.

6.2         Argumentative Verwendungen von après tout

In Kapitel 2.4 wurden Bestimmungen von après tout als argumentativer Indikator erörtert. Dabei wurde der Indikator sowohl als konklusiver Marker, d.h. als argumentativer Indikator, der eine Konklusion markiert, als auch als bekräftigender Indikator, der eine Prämisse einführt, klassifi­ziert. Als Klassifizierungen sind diese Bestimmungen gegensätzlich. Tat­sächlich treffen sie jeweils nur auf einen bestimmten Gebrauch von après tout zu. Durch die prozedurale Bestimmung, bei der von hierarchisch un­terschiedlichen Anweisungen ausgegangen wird, können beide Verwen­dungensarten erklärt werden. Es wird zu untersuchen sein, ob die jeweilige argumentative Relation, die zwischen den Konstituenten P und Q vorliegt, tatsächlich in Form von sekundären Anweisungen durch den Gebrauch von après tout markiert wird oder unabhängig von diesem Konnektor existiert.

6.2.1      Verwendung von après tout in argumentativ-begründenden Relationen PQ

Après tout kann, wie die Beispiele (3) und (4) zeigen, in argumentativ-begründenden Relationen vorkommen:

(3)         - Restons-en là. Je ne suis pas malade, j'ai passé une bonne journée, et je m'en irai demain. Quand vous viendrez à Grenoble, vous y trouverez un ami de plus, et ce n'est pas un ami pour rire. La bourse, le sabre, le sang, tout est à vous chez Pierre-Joseph Genestas. Après tout, vous avez semé vos paroles dans un bon terrain.

              (Balzac, H. de: Le Médecin de campagne, 1833, p. 242)

(4)         -Oh! Dit-il tranquillement, je te l'eusse pardonné ... après tout, je n'ai pas de préjugés ... per bacco! comme disait feu mon honoré père.

              (Bsp. (32) in Teil I, vgl. S. 96)

Q (vous avez semé vos paroles .../je n'ai pas de préjugés) kann jeweils als eine nachträgliche Erklärung für eine explizit vorhandene Behauptung P (La bourse, le sabre .../Je te l'eusse pardonné) verstanden werden. P ist in (3) und in (4) der propositionale Gehalt der Äußerung. P und Q sind ar­gumentativ gleichgerichtet. Die Vermutung, daß eine argumentativ-be­gründende Relation zwischen den beiden Konstituenten vorliegt, kann dadurch bestätigt werden, daß après tout in (3) und (4) durch car ersetzt werden kann:

(3')        La bourse, le sabre, le sang, tout est à vous chez Pierre-Joseph Genestas. Car vous avez semé vos paroles dans un bon terrain.

(4')        [...], je te l'eusse pardonné ... car je n'ai pas de préjugés ...[...].

Häufig wird après tout auch in von argumentativ-begründenden Indikato­ren abhängigen Konstituenten eingebettet verwendet:

(5)         - L'officier est encore au service, et c'est leur consigne de dire au peuple que l'empereur est mort. Faut pas lui en vouloir, parce que, après tout, un soldat ne connaît que sa consigne.

              (Balzac, H. de: Le Médecin de campagne, 1833, p. 190)

In allen drei Beispielen (3), (4) und (5) bleibt die Relation zwischen P und Q, bei der Q eine Erklärung für die Behauptung P ist, auch dann bestehen, wenn après tout supprimiert wird: [122]

(3'')       La bourse, le sabre, le sang, tout est à vous chez Pierre-Joseph Genestas. Vous avez semé vos paroles dans un bon terrain.

(4'')       [...], je te l'eusse pardonné ... je n'ai pas de préjugés ...[...].

(5')        Faut pas lui en vouloir, (parce qu') un soldat ne connaît que sa consigne.

Die argumentativ-begründende Relation zwischen P und Q ist somit auf den Kontext (hier: der Kotext) zurückzuführen. Sie wird in (5) durch den Gebrauch eines argumentativ-begründenden Konnektors expliziert.[123] Die Markierung von Q als Erklärung für P gehört deswegen nicht zu den An­weisungen des Indikators après tout. In dieser Verwendung reichen die primären Anweisungen aus, um die Äußerung zu interpretieren.

 

Im Unterschied zu car, das in (3') und (4') lediglich die schon bestehende argumentativ-begründende Relationen zwischen P und Q expliziert und somit die Interpretation erleichtert, hat après tout durch seine primären Anweisungen die Funktion, auf den entfernten Bezugskontext T zurück­zuverweisen. Es indiziert, daß der Äußerung von Q eine Reexaminierung vorausging, bei der alle möglichen Argumente, die die Behauptung P stüt­zen oder zurücknehmen, in Betracht gezogen wurden. So weit unterschei­det sich der Gebrauch von après tout kaum vom Gebrauch der anderen reexaminierenden Indikatoren, die après tout in dieser Verwendung substi­tuieren könnten, während donc, mais und enfin für eine Substitution nicht geeignet sind:

(3''')      La bourse, le sabre, le sang, tout est à vous chez Pierre-Joseph Genestas. Tout bien considéré/Tout compte fait/ Somme toute/Finalement/En fin de compte/En définitive, vous avez semé vos paroles dans un bon terrain.

(3'''')      * La bourse, le sabre, le sang, tout est à vous chez Pierre-Joseph Genestas. Donc/Mais/Enfin vous avez semé vos paroles dans un bon terrain.

(4''')      [...], je te l'eusse pardonné ... tout bien considéré/tout compte fait/somme toute/finalement/en fin de compte/en définitive je n'ai pas de préjugés ...[...].

(4'''')      * [...], je te l'eusse pardonné... donc/mais/enfin je n'ai pas de préjugés ...[...].

Das Charakteristische bei einem Gebrauch von après tout liegt darin, daß die Reexaminierung in (3) und (4) deswegen indiziert wird, weil der Sen­der Q einer anderen Annahme V aus T entgegenhält. V könnte in den Beispielen (3) und (4) jeweils einer Annahme entsprechen, von der der Sender glaubt, daß sie einer vorhandenen Meinung des Adressaten ent­spricht (z.B. "J'ai semé mes paroles dans un mauvais terrain"/"Il a des prégugés"). Diese entgegengesetzte Annahme aus T rückt erst durch den Gebrauch von après tout in den unmittelbaren Kontext. Sie wird durch den Gebrauch des Indikators in den Vordergrund gestellt und untergeordnet. Wenn V wie in den Beispielen (3) und (4) einer Annahme des Adressaten entspricht, bedeutet dies, daß der Sender dem Adressaten die entgegenge­setzte Meinung durch die Äußerung von après tout unterstellt.

Es sei also noch einmal betont, daß P und T nicht identisch sind, sondern einen unterschiedlichen Status haben: P ist in den Beispielen (3) und (4), also in argumentativ-begründender Verwendung, eine explizite Behaup­tung, die von Q gestützt wird, während T aus der Menge aller Annahmen besteht, die P sowohl stützen als auch dementieren. Q hingegen und die entgegengesetzte Annahme V können als ein expliziertes und als ein im­plizit bleibendes Element aus T gesehen werden.

6.2.2      Verwendung von après tout in argumentativ-konklusiven Relationen PQ

In Beispiel (6) wird après tout in einer argumentativ-konklusiven Relation zwischen den Konstituenten P und Q verwendet:

(6)         Tout le bonheur de sa vie dépendait de la probité de Leuwen. Elle lui trouvait des manières charmantes, elle connaissait son esprit; mais sentait-il tout ce qu'il exprimait ou joignait-il à ses autres qualités celle de comédien ha­bile?

              "Il est jeune, il est riche, il porte un uniforme brillant, il vient de Paris, ne serait-ce après tout qu'un fat? Tout le monde le dit à Nancy."

              (Bsp. (1) in Teil I, vgl. S. 8)

Die Proposition in Q (ne serait-ce qu'un fat?) kann als Konklusion R1 interpretiert werden, die aus der gegebenen Prämisse P (Il est jeune, il est riche, il porte un uniforme brillant, il vient de Paris) sowie aus einer implizierten Prämisse ("un fat est habituellement jeune, riche, porte un uniforme brillant et vient de Paris") und einer kontextuellen Annahme ("si quelqu'un est riche, porte un uniforme brillant et vient de Paris il peut être un fat") abgeleitet werden kann. P und Q sind argumentativ gleichge­richtet.

Die Relation zwischen P und Q, bei der P die gegebene Prämisse für eine Konklusion R1 ist, läßt sich auch dadurch bestätigen, daß après tout durch den argumentativ-konklusiven Indikator donc ersetzt werden kann:

(6')        "Il est jeune, il est riche, il porte un uniforme brillant, il vient de Paris, ne serait-ce donc qu'un fat? Tout le monde le dit à Nancy."

Genauso wie auch in argumentativ-begründenden Verwendungen behalten die Konstituenten P und Q auch dann ihre Funktion, wenn der Indikator supprimiert wird:

(6'')       "Il est jeune, il est riche, il porte un uniforme brillant, il vient de Paris, ne serait-ce qu'un fat? Tout le monde le dit à Nancy."

Dies bedeutet, daß die Markierung von P als Prämisse und Q als Konklu­sion nicht zu den sekundären Anweisungen von après tout gehört, sondern vom Kontext vorgegeben ist.

Der Unterschied zwischen einer Äußerungsinterpretation bei einer Ver­wendung mit donc und einer Verwendung mit après tout liegt in den je­weils verschiedenen Anweisungen: Donc erleichtert dem Adressaten die Interpretation, indem es markiert, daß die kontextuelle Implikation der Prämisse P expliziert wird.[124] Après tout hingegen erleichtert nicht die Interpretation, sondern es modalisiert eine gegebene Äußerungsbedeutung, indem es sowohl auf die Prämisse P als auch auf T zurückverweist. Dies bedeutet, daß an der Konklusion Q trotz der Prämisse P gezweifelt wurde. Die Gegenargumente, die die Zweifel verursachen, werden in (6) im vorangestellten Kotext sogar explizit ausgedrückt (elle lui trouvait des manières charmantes, ...). Diese Zweifel sind ganz offensichtlich in Q trotz der Prämisse P nicht vollständig beseitigt. Der Sender markiert, daß die Konklusion Q=R1 vor der Äußerung einer Reexaminierung unterzogen wurde, bei der ebenfalls Prämissen, die zu einer entgegengesetzten Konklusion R2 ("il ne semble pas être un fat") führen, untersucht wurden. T besteht in (6) aus einer Menge von Annahmen die über Leuwen gemacht werden können. Q kann als ein expliziertes Element aus T betrachtet wer­den.

 

Außer durch donc, durch das die kontextuelle Implikation der Prämisse P expliziert wird, kann après tout in argumentativ-konklusiver Verwendung wieder durch alle reexaminierenden Indikatoren, jedoch nicht durch enfin, mais oder car ersetzt werden:

(6''')      "Il est jeune, il est riche, il porte un uniforme brillant, il vient de Paris, ne serait-ce somme toute/tout bien considéré/tout compte fait/finalement/en fin de compte/en définitive qu'un fat? Tout le monde le dit à Nancy."

(6'''')      * "Il est jeune, il est riche, il porte un uniforme brillant, il vient de Paris, ne serait-ce mais/car/enfin qu'un fat? Tout le monde le dit à Nancy."

Aber anders als die anderen reexaminierenden Indikatoren markiert après tout, daß Q der in T vorhandenen Annahme V = R2 ("il ne semble pas être un fat") entgegengehalten wird.

6.2.3      Verwendung von après tout in argumentativ-konklusiven Relationen PQ

Après tout kann nicht nur in argumentativ-begründenden und argumenta­tiv-konklusiven, sondern auch in argumentativ-konzessiven Relationen verwendet werden:

(7)         Guillaume et Landry, travaillant.

              G.: Il me semble que Fortunio n'est pas resté longtemps à l'étude.

              L.: Il y a gala ce soir à la maison, et maître André l'a invité.

              G.: Oui; de façon que l'ouvrage nous reste. J'ai la main droite paralysée.

              L.: Il n'est pourtant que troisième clerc; on aurait pu nous inviter aussi.

              G.: Après tout, c'est un bon garçon; il n'y a pas grand mal à cela.

              (Bsp. (3) in Teil I, vgl. S. 21)

Die expliziten und implizierten Konstituenten in (7) können folgenderma­ßen bestimmt werden: P (Il n'est pourtant que troisième clerc; on aurait pu nous inviter aussi) ist die gegebene explizite Prämisse Xe, aus der unter Annahme einer implizierten Prämisse Xi ("il n'y a aucune raison d'inviter quelqu'un qui n'est que troisième clerc plutôt que nous") die kontextuelle Implikation R1 ("il ne faut pas l'inviter") ableitbar ist. Q (c'est un bon garçon) ist eine andere gegebene Prämisse Ye, aus der sich unter An­nahme einer implizierten Prämisse Yi ("on a des raisons d'inviter quel­qu'un qui est un bon garçon") die kontextuelle Implikation R2 = non-R1 ("il faut l'inviter") ableiten läßt, und die für das folgende beibehalten wer­den soll. P und Q sind argumentativ gegengerichtet.

 

Bei der Wörterbuchanalyse wurde Beispiel (7) bereits aufgeführt. Es wurde dabei festgestellt, daß cependant und quoi qu'il en soit den Indika­tor après tout in dieser Verwendung durchaus ersetzen könnten (vgl. Kapi­tel 1). Après tout kann in Beispiel (7), wenn das nachfolgende Komma supprimiert wird, ebenfalls durch den konzessiven Indikator mais ersetzt werden:

(7')        L.: Il n'est pourtant que troisième clerc; on aurait pu nous inviter aussi.

              G.: Mais c'est un bon garçon; il n'y a pas grand mal à cela.

Aber anders als mais, cependant und quoi qu'il en soit bringt après tout durch seine primären Anweisungen zum Ausdruck, daß der Sender vor der Äußerung von Q alle möglichen Prämissen, die den Argumenten für und wider R1 bzw. R2 entsprechen, in T reexaminiert hat. Q ist eine Prämisse, die P entgegengesetzt ist, und mit der der Sender R2 stützt. In argumenta­tiv-konzessiver Verwendung könnten sowohl P als auch Q als explizierte Elemente aus T betrachtet werden.

In Beispiel (8) wird après tout ebenfalls argumentativ-konzessiv verwendet:

(8)         Et l'heureux tira de son coffre-fort le reçu de dix-huit cents francs, qu'elle lui avait donné lors de l'escompte Vinçart.

              - Croyez-vous, ajouta-t-il, qu'il ne comprenne pas votre petit vol, ce pauvre cher homme?

              Elle s'affaissa, plus assommée qu'elle n'eut été par un coup de massue. Il se promenait depuis la fenêtre jusqu'au bu­reau, tout en répétant;

              - Ah! Je lui montrerai bien ... je lui montrerai bien...

              Ensuite il se rapprocha d'elle, et, d'une voix douce:

              - Ce n'est pas amusant, je le sais; personne, après tout, n'en est mort, et, puisque c'est le seul moyen qui vous reste de me rendre mon argent ...

              (Flaubert, F.: Madame Bovary, t.2, 1857, p. 146)

An diesem Beispiel wird deutlich, daß im Gegensatz zu einer Begründung oder einer Konklusion bei einer Konzession wegen der unterschiedlichen Polaritätsmarkierung der Konstituenten die Verbindung zwischen P und Q häufig durch einen Indikator markiert werden muß, damit die Äußerung nicht inkohärent wirkt: [125]

(8')        * - Ce n'est pas amusant, je le sais; personne n'en est mort, et, puisque c'est le seul moyen qui vous reste de me rendre mon argent ...

(8'')       - Ce n'est pas amusant, je le sais; quoi qu'il en soit/mais/ cependant personne n'en est mort, et, puisque c'est le seul moyen qui vous reste de me rendre mon argent ...

In argumentativ-konzessiven Relationen kann après tout deswegen nur dann immer ohne Bedenken supprimiert werden, wenn es in eine von ei­nem konzessiv-argumentativen Indikator abhängige Konstituente eingebet­tet ist:

(9)         J'enverrai mon homme demain matin, à huit heures ... tu peux dormir tranquillement. D'abord, j'espère que tu guéri­ras, et que tu nous feras encore de jolie musique; mais, après tout, vois-tu, la vie est bien triste, les entrepreneurs chipotent, les rois carottent, les ministres tripotent, les gens riches économisotent ... les artistes n'ont plus de ça!

              (Bsp. (16) in Teil I; vgl. S. 68)

(9')        D'abord, j'espère que tu guériras, et que tu nous feras encore de jolie musique; mais, vois-tu, la vie est bien triste, [...].

Außer in eingebetteten Vorkommen hat après tout somit auch neben sei­nen primären Anweisungen die Funktion der Markierung einer Konzes­sion. Der Konnektor stellt nicht nur die Verbindung zu T, sondern auch die Verbindung zwischen P und Q her, während diese in modifizierender, begründender oder konklusiver Verwendung immer aus dem Kontext hervorgeht und durch den Gebrauch des Indikators lediglich modalisiert wird. Après tout erteilt also in argumentativ-konzessiver Verwendung eine sekundäre Anweisung:

(A8):  die aus P ableitbare kontextuelle Implikation R1 ist zu annullieren und die aus Q ableitbare kontextuelle Implikation R2 zu behalten.

Außer durch mais, cependant und quoi qu'il en soit kann après tout auch durch alle reexaminierenden Indikatoren substituiert werden.[126] Es ist zu vermuten, daß all diese Ausdrücke ebenso wie après tout die Anweisung (A8) erteilen. Car, donc und enfin eignen sich nicht für eine Substitution.

(7'')       L.: Il n'est pourtant que troisième clerc; on aurait pu nous inviter aussi.

              G.: Somme toute/Tout bien considéré/Tout compte fait/ Finalement/En fin de compte/En définitive, c'est un bon garçon; il n'y a pas grand mal à cela.

(7''')      * L.: Il n'est pourtant que troisième clerc; on aurait pu nous inviter aussi.

              G.: Car/Donc/Enfin, c'est un bon garçon; il n'y a pas grand mal à cela.

Après tout markiert jedoch anders als seine Entsprechungen, daß Q (c'est un bon garçon) einer vorhandenen Annahme V (z.B. "c'est un fainéant") entgegengesetzt ist. In Beispiel (7) könnte es sich um einen Meinungsum­schwung handeln, da V durch die beiden vorhergehenden Äußerungen Guillaumes (Il me semble que Fortunio n'est pas resté longtemps à l'étude; de façon que l'ouvrage nous reste...) zunächst vom Sender ge­stützt wird.

 

In allen bisher aufgeführten Beispielen (1)-(9) ist P jeweils eine explizierte Konstituente. Nun kommt après tout jedoch auch - wie bereits in Kapitel 2.1 bemerkt wurde - am Anfang eines Gesprächszuges vor, so daß keine explizite Äußerung P existiert:

(10)       Le chef de bureau enveloppa d'un regard le cheval mort et le tilbury à demi renversé.

              - Après tout, dit-il, c'était une rosse de cent écus, et le mal n'est pas grand.

              (Bsp. (42) in Teil I; vgl. S. 126)

Q (c'était une rosse de cent écus) kann in Beispiel (10) durchaus als Kon­zession verstanden werden. Allerdings läßt sich diese nicht aus einem vorausgehenden expliziten Diskurs ableiten, sondern aus dem außer­sprachlichen, situativen Kontext. P ist demzufolge ein Ereignis, aus dem eine implizierte Prämisse X formuliert werden kann, die "le cheval est mort et le tilbury à demi renversé" lauten könnte. Aus dieser Prämisse läßt sich die implizierte Konklusion R1 ("le mal est grand") ableiten. Q ist die entgegengesetzte Prämisse Y, aus der sich die kontextuelle Implikation R2 ("le mal n'est pas grand") ableiten läßt. Durch die von après tout erteilte Anweisung (A8) wird R1 annulliert und R2 beibehalten; R2 wird im weite­ren Diskursverlauf expliziert.

Après tout kann in Beispiel (10) zwar durch die reexaminierenden Indi­katoren aber nicht durch den argumentativen Konnektor mais ersetzt wer­den:

(10')      Le chef de bureau enveloppa d'un regard le cheval mort et le tilbury à demi renversé.

              - En définitive/Finalement/Tout bien considéré/En fin de compte/Tout compte fait/Somme toute, dit-il, c'était une rosse de cent écus, et le mal n'est pas grand.

(10'')     * Le chef de bureau enveloppa d'un regard le cheval mort et le tilbury à demi renversé.

              - Mais, dit-il, c'était une rosse de cent écus, et le mal n'est pas grand.

Vorkommen dieser Art waren für Roulet (1987a) einer der Gründe, wes­halb er den reformulativen Indikatoren die Funktion der Markierung einer Argumentation absprach. Denn argumentative Indikatoren knüpfen in der Regel nur an explizite Konstituenten an und sind nicht für den Gebrauch am Anfang eines Gesprächszuges geeignet. Dies läßt sich dadurch veran­schaulichen, daß mais durchaus après tout substituieren könnte, wenn P eine explizierte Konstituente wäre.

(10''')    - Le cheval est mort, le tilbury à demi renversé, dit-il, mais c'était une rosse de cent écus, et le mal n'est pas grand.

Beim Gebrauch von après tout bleibt P zwar implizit, jedoch handelt es sich um eine Konstituente, die beiden Gesprächspartnern offenkundig ist und die vom Adressaten nur identifiziert werden muß, damit er die Äuße­rung von Q richtig interpretiert. Die durch die Anweisung (A2) bedingte Inferenz, bei der P identifiziert wird, kostet den Adressaten zwar etwas mehr Anstrengungen als in Vorkommen, in denen P eine explizierte Kon­stituente ist, der weitere Interpretationsverlauf wird dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. Es ist somit eine besondere Eigenschaft von après tout und seinen reformulativen Entsprechungen, an einen implizit bleibenden Bezugsausdruck P anknüpfen zu können.

 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß après tout in allen drei Arten argumentativer Relationen (Konzessionen, Begründungen und Konklusionen) vorkommen kann. Aber es kann festgestellt werden, daß es - zumindest in Verbindungen, in denen P und Q argumentativ gleichgerich­tet sind - nicht zu den Anweisungen von après tout gehört, die Konstituen­ten P und Q als Prämisse oder als Konklusion zu markieren. Daher kann geschlossen werden, daß weder die von Blakemore (1987; 1992) ange­nommene Bekräftigung von P durch Q noch die von Fraser (1996), Riegel (1994) und De Spengler (1980) vermutete Markierung einer Konklusion tatsächlich auf den Gebrauch des Indikators zurückzuführen ist. Vielmehr gehen die argumentativ-begründenden und argumentativ-konklusiven Relationen zwischen P und Q aus dem jeweiligen Kontext (zumeist aus dem Kotext) hervor. Après tout markiert somit nicht diese bestimmten argumentativen Relationen, es modalisiert sie lediglich durch den Verweis auf T und die Voraussetzung einer darin vorhandenen, zugänglich gemach­ten Annahme V, die Q entgegengesetzt ist. Demzufolge können die argu­mentativ-begründenden und konklusiven Indikatoren wie z.B. car und donc nicht als Entsprechungen von après tout betrachtet werden, denn sie erteilen andere Anweisungen als après tout. Während die Interpretation durch die argumentativen Indikatoren erleichtert wird, wird sie durch après tout erschwert, da dieser Konnektor mit seinen Anweisungen eine schon vorhandene Äußerungsbedeutung zusätzlich modalisiert.

Die argumentativ-konzessive Relation muß jedoch häufig wegen der entgegengesetzten Polaritätsmarkierung von P und Q durch einen Indika­tor markiert werden. In dieser Verwendung kann après tout neben seinen primären Anweisungen auch noch eine sekundäre Anweisung (A8) ertei­len, durch die die Einheiten P und Q verbunden werden. Diese Anweisung, die von après tout jedoch nur in ganz bestimmten Vorkommen erteilt wird, gehört unter anderem auch zu den Anweisungen von mais, cependant und quoi qu'il en soit. Da après tout somit partiell dieselbe Funktion erfüllt wie diese Indikatoren, können diese ebenfalls als Entsprechungen - zumindest für den Gebrauch der Markierung von Konzessionen - gesehen werden, obwohl sie als solche in keiner der in Kapitel 2 dargestellten Funktions­bestimmungen von après tout aufgeführt werden.

6.3         Kommentierende Verwendungen von après tout

Après tout beschränkt sich nicht auf modifizierende und argumentative Verwendungen, sondern wird ebenfalls in Kommentaren gebraucht. Der Indikator kann in digressiven Kommentaren, Äußerungskommentaren, kommentierenden Autokorrekturen und explikativen Kommentaren vor­kommen.

6.3.1      Verwendung von après tout in digressiven Kommentaren

In (11) ist Q ein digressiver Kommentar:

(11)       Sans l'abolition de la propriété, l'organisition du travail n'est qu'une déception de plus. Quand on quadruplerait la production, ce qu'après tout je ne crois pas impossible, ce serait peine perdu: si le surcroît de produit ne se consomme pas, il est de nulle valeur, et le propriétaire le refuse pour intérêt; [...].

              (Proudhon, P.-J.: Qu'est-ce que la propriété?, 1840, p. 276)

Der Kommentar Q (ce que je ne crois pas impossible) bezieht sich auf die Proposition in P (Quand on quadruplerait la production). Es handelt sich um eine eingeschobene Bemerkung, denn der nachfolgende Diskurs knüpft nicht an den Kommentar an. Für die Markierung von Q als digressiver Kommentar ist après tout nicht notwendig. Die Verbindung zwischen P und Q wird durch das anaphorische Pronomen ce gewährleistet. Infolge­dessen kann der Indikator supprimiert werden:

(11')      Quand on quadruplerait la production, ce que je ne crois pas impossible, ce serait peine perdu: [...].

Après tout erteilt folglich nur seine primären Anweisungen. Danach wurde Q vor der Äußerung reexaminiert. T besteht aus allen möglichen Annah­men, die über P gemacht werden können. Der Sender scheint in (11) da­von auszugehen, daß eine in T enthaltene generelle Annahme des Adressa­ten V ("il est impossible de quadrupler la production") eine Relevanz des propositionalen Gehalts von P überhaupt nicht zuläßt. Der Sender ordnet diese generelle Annahme schließlich durch den Gebrauch des Konnektors unter. P wird somit durch den Kommentar nachträglich reevaluiert.

Ein weiteres Beispiel für einen digressiven Kommentar ist (12):

(12)       - Notre mise en présence, à Bergotte et à moi, ajouta-t-il en se tournant vers mon père, ne laissait pas que d'être assez épineuse (ce qui après tout est aussi une manière d'être pi­quante).

              (Proust, M.: La Recherche: A l'ombre des jeunes filles en fleurs, p. 475)

Die Einklammerung des Kommentars ist in (12) durch Zeichensetzung expliziert.

Après tout kann in der Verwendung in digressiven Kommentaren durch alle reexaminierenden Indikatoren substituiert werden. Enfin jedoch und die argumentativen Indikatoren eignen sich nicht für eine Substitution.

(11'')     Quand on quadruplerait la production, ce que tout bien considéré/tout compte fait/ somme toute/finalement/en fin de compte/en définitive je ne crois pas impossible, ce serait peine perdu: [...].

(12')      - Notre mise en présence, à Bergotte et à moi, ajouta-t-il en se tournant vers mon père, ne laissait pas que d'être assez épineuse (ce qui tout bien considéré/tout compte fait/ somme toute/finalement/en fin de compte/en défini­tive est aussi une manière d'être piquante).

 

Der Gebrauch des Indikators in digressiven Kommentaren ist identisch mit dem Gebrauch als Modifikator:

(1)         On devine que le but du prêteur n'était pas seulement de tirer un profit quelconque d'une affaire, fort minime après tout pour lui, mais d'entrer en relations avec le jeune conte, dont il connaissait l'immense fortune à venir.

              (Vgl. S. 147)

Auch in (1) kann Q als ein digressiver Kommentar betrachtet werden, denn P wird durch Q reevaluiert, und der nachfolgende Diskurs knüpft nicht an Q an. Umgekehrt kann in den Beispielen (11) und (12) après tout auch als Modifikator betrachtet werden. Es modifiziert jedoch nicht wie in (1) und (2) Adjektive, sondern Diskursakte. Die Verwendung von après tout als Modifikator und die Verwendung in digressiven Kommentaren können deswegen zusammengefaßt werden.

6.3.2      Verwendung von après tout in Äußerungskommentaren

Ein weiterer nicht-argumentativer Gebrauch von après tout ist das Vor­kommen in Äußerungskommentaren:

(13)       -Vous vous rappelez bien qu'ils ont essayé de débaucher votre mari ... et les cartouches que je les vois fabriquer de ma fenêtre, est-ce des bêtises? ... après tout, je vous dis ça dans votre intérêt.

              (Bsp. (2) in Teil I, vgl. S. 9)

Der Kommentar Q (je vous dis ça dans votre intérêt), der durch après tout eingeleitet wird, bezieht sich nicht wie in (11) und (12) auf den propositio­nalen Gehalt einer Äußerung P, sondern auf die Äußerung an sich, auf die Tatsache, P überhaupt geäußert zu haben. P ist somit die Äußerung als solche bzw. die Frage: "pourquoi est-ce que je vous dis ça?". Die Tatsa­che, daß der Sender seine Äußerung nachträglich reevaluiert, indem er seine kommunikative Absicht, die er mit der Äußerung verfolgt, expliziert, deutet darauf hin, daß er an der Relevanz seiner Äußerung zunächst ge­zweifelt hat. Aber hierzu bedarf es nicht unbedingt einer Markierung durch einen Indikator, da après tout in (13) auch supprimiert werden könnte:

(13')      - Vous vous rappelez bien qu'ils ont essayé de débaucher votre mari ... et les cartouches que je les vois fabriquer de ma fenêtre, est-ce des bêtises? ... Je vous dis ça dans votre intérêt.

Die spezifische Leistung von après tout liegt in seinem Bezug zu T. Der Sender signalisiert, daß der Äußerung des Kommentars Q eine Reexami­nierung unterschiedlicher möglicher Annahmen über seine kommunikative Absicht, warum er P geäußert hat, vorausgingen. Er setzt in (13) durch den Gebrauch von après tout die in Q geäußerte kommunikative Absicht einer anderen möglichen kommunikativen Absicht entgegen, die einer Annahme des Adressaten entsprechen könnte, die der Sender diesem un­terstellt ("il ne me dit pas ça dans mon interêt"). Dadurch reevaluiert der Sender seine Äußerung.

 

Après tout kann in äußerungskommentierender Verwendung ausschließlich durch enfin ersetzt werden.

(13'')     - Vous vous rappelez bien qu'ils ont essayé de débaucher votre mari ... et les cartouches que je les vois fabriquer de ma fenêtre, est-ce des bêtises? ... enfin, je vous dis ça dans votre intérêt.

(13''')    * - Vous vous rappelez bien qu'ils ont essayé de débaucher votre mari ... et les cartouches que je les vois fabriquer de ma fenêtre, est-ce des bêtises? ... tout bien considéré/tout compte fait/somme toute/finalement/en fin de compte/ mais/car/donc, je vous dis ça dans votre intérêt.

Es ist somit zu vermuten, daß après tout und enfin, obwohl der Äußerungskommentar auch ohne Indikator erfolgen kann, neben ihren jeweili­gen primären Anweisungen noch eine sekundäre Anweisung erteilen:

(A9):  alle annahmen über die relevanz einer Äusse­rung p sind zu annullieren und einzig q ist zu behalten.

6.3.3      Verwendung von après tout in autokorrektiven Kommentaren

In Beispiel (14) wird après tout in einem autokorrektiven Kommentar gebraucht:

(14)       - "Honnêtes gens de tous les partis, qui voulez le bien du pays dans lequel vous êtes nés, éloignez M. le préfet De Séranville. Si M. Mairobert est élu député, M. le préfet sera destitué ou nommé ailleurs. Qu'importe, après tout, le député nommé? Chassons un préfet tracassier et menteur."

              (Stendhal: Lucien Leuwen, t.3, 1835, p. 174)

Der Kommentar Q (Qu'importe le député nommé) bezieht sich auf die Proposition in P (Si M. Mairobert est élu député, M. le préfet sera desti­tué ou nommé ailleurs). Durch den Kommentar Q wird die Relevanz von P nicht wie in Beispiel (13) in Frage gestellt und nachträglich gesichert, sondern sie wird annulliert. Die auf Q folgende Äußerung (der Aufruf: Chassons un préfet tracassier ...) kann deswegen auch an die Äußerung anknüpfen, die P vorangestellt ist (..., éloignez M. le préfet De Séranville).

(14')      - "Honnêtes gens de tous les partis, qui voulez le bien du pays dans lequel vous êtes nés, éloignez M. le préfet De Séranville. Chassons un préfet tracassier et menteur."

Bei einem autokorrektiven Kommentar, der sich auf eine Proposition be­zieht, ist die Markierung durch einen Indikator nicht unbedingt notwendig. Dies geht daraus hervor, daß après tout in (14) auch supprimiert werden kann:

(14'')     - "Honnêtes gens de tous les partis, qui voulez le bien du pays dans lequel vous êtes nés, éloignez M. le préfet De Séranville. Si M. Mairobert est élu député, M. le préfet sera destitué ou nommé ailleurs. Qu'importe, le député nommé? Chassons un préfet tracassier et menteur."

Die Annullierung der Proposition in P erfolgt somit nicht durch eine An­weisung des Konnektors, sondern durch die Äußerung des Kommentars Q (Qu'importe ...).

Durch den Gebrauch von après tout bringt der Sender aber außerdem zum Ausdruck, daß vor der Äußerung von Q eine Reexaminierung vollzo­gen wurde. T, auf das der Indikator verweist, besteht aus Annahmen über die Relevanz der Proposition in P. Q wird in diesem Fall einer Annahme ("Il est important qui est le député nommé") entgegengesetzt.

Auch in Beispiel (15) liegt ein autokorrektiver Kommentar vor:

(15)       - Leur rançon te coûtera quatre-vingt mille francs, entends-tu? Quatre -vingt mille francs hors de ta poche!

              - Ne dites donc pas de ces choses-là! On croirait que les coups de bâton vous ont frappé sur la tête.

              - Je dis ce qui est. Te rappelles-tu le nom de tes prisonnières?

              - Non, mais je l'ai par écrit.

              - Je veux aider ta mémoire. La dame s'appelait Mme Simons.

              - Eh bien?

              - Associée de la maison Barley de Londres.

              - Mon banquier?

              - Précisément.

              - Comment sais-tu le nom de mon banquier?

              - Pourquoi as-tu dicté ta correspondance devant moi?

              - Qu'importe, après tout (finalement/somme toute etc.)? Ils ne peuvent pas me voler; ils ne sont pas grecs, ils sont anglais, les tribunaux ... je plaiderai!

              (Bsp. (29) in Teil I, vgl. S. 87)

In Kapitel 3.3 wurde bereits gezeigt, daß der Indikator in (15) nicht an eine Äußerung, sondern an ein Ereignis anknüpft (die Tatsache, daß Mme Simons, eine der ehemaligen Gefangenen des Sprechers, dessen gegen­wärtiger Bankier ist). Die implizit ableitbare unmittelbare Bezugseinheit P könnte somit "Mme Simons, mon ancienne prisonnière est actuellement mon banquier!" lauten. Durch den autokorrektiven Kommentar Q (Qu'importe?) wird die Relevanz dieser Feststellung annuliert, sie wird nachträglich als unwichtig markiert. Im Gegensatz zu Beispiel (14) kann in (15) der Indikator nicht supprimiert werden:

(15')      * - Comment sais-tu le nom de mon banquier?

              - Pourquoi as-tu dicté ta correspondance devant moi?

              - Qu'importe? Ils ne peuvent pas me voler; ils ne sont pas grecs, ils sont anglais, les tribunaux ... je plaiderai!

Dies kann dadurch erklärt werden, daß ohne Indikator Q sich nicht auf das Ereignis bzw. die implizite Bezugseinheit P bezieht, sondern auf die zuvor gestellte Frage (Pourquoi as-tu dicté ...). Damit der nachfolgende Diskurs (Ils ne peuvent pas me voler ...) jedoch kohärent ist, muß das Ereignis P und nicht die zuvor gestellte Frage annulliert werden. Der unmittelbare Bezugsausdruck wird durch die primäre Anweisung (A2) inferiert. Wie bereits an Beispiel (10) dargestellt wurde, erteilen auch die Entsprechun­gen von après tout die Anweisung, P zu identifizieren. Der Indikator kann somit in den Beispielen (14) und (15) durch alle reexaminierenden Indika­toren und bei syntaktischer Umstellung auch durch enfin und mais ersetzt werden.[127]

(14'')     Si M. Mairobert est élu député, M. le préfet sera destitué ou nommé ailleurs. Qu'importe, somme toute/tout bien consi­déré/tout compte fait/finalement/en fin de compte/en définitive, le député nommé? Chassons un préfet tracassier et menteur.

(14''')    Si M. Mairobert est élu député, M. le préfet sera destitué ou nommé ailleurs. Enfin/Mais qu'importe le député nommé? Chassons un préfet tracassier et menteur.

(15'')     - Comment sais-tu le nom de mon banquier?

              - Pourquoi as-tu dicté ta correspondance devant moi?

              - Qu'importe, somme toute/tout compte fait/finalement/en fin de compte/en définitive? Ils ne peuvent pas me voler; [...].

(15''')    - Comment sais-tu le nom de mon banquier?

              - Pourquoi as-tu dicté ta correspondance devant moi?

              - Enfin/Mais qu'importe? Ils ne peuvent pas me voler; [...].

Nur car und donc sind für eine Substitution nicht geeignet:

(14'''')    * Si M. Mairobert est élu député, M. le préfet sera destitué ou nommé ailleurs. Donc/Car qu'importe le député nommé? Chassons un préfet tracassier et menteur.

(15'''')    * - Comment sais-tu le nom de mon banquier?

              - Pourquoi as-tu dicté ta correspondance devant moi?

              - Car/Donc qu'importe ? Ils ne peuvent pas me voler; [...].

Es kann somit vermutet werden, daß après tout in autokorrektiven Kom­mentaren neben seinen primären Anweisungen keine weiteren sekundären Anweisungen erteilt.

6.3.4      Verwendung von après tout in explikativen Kommentaren

In Beispiel (16) liegt ein besonderer Gebrauch von après tout vor:

(16)       Quand tout fut fini au cimetière, Charles rentra chez lui. Il ne trouva personne en bas; il monta au premier, dans la chambre, vit sa robe encore accrochée au pied de l'alcôve; alors, s'appuyant contre le secrétaire, il resta jusqu'au soir perdu dans une rêverie douloureuse. Elle l'avait aimé, après tout.

              (Bsp. (40) in Teil I, vgl. S. 120)

Q (Elle l'avait aimé) kommentiert die Proposition in P (il resta jusqu'au soir perdu dans une rêverie douloureuse). Beim Übergang von P zu Q wird die Erzählperspektive gewechselt: Während P von einem allwissen­den Erzähler stammt, wird Q in freier indirekter Rede erzählt. T besteht in (16) aus allen möglichen Annahmen, die sowohl Prämissen, die P (das Verhalten von Charles) erklären und rechtfertigen als auch Prämissen, die P entgegengesetzt sind, entsprechen. Der Kommentar Q kann gleichzeitig als eine explizierte der in T enthaltenen Prämissen interpretiert werden, die das Verhalten von Charles erklärt und rechtfertigt. Diese Prämisse wird einer in T enthaltenen anderen Prämisse V, die die Trauer Charles' unver­ständlich macht (z.B. "elle avait été détestable" oder "il ne l'avait pas aimé"), entgegengesetzt. V wird untergeordnet. Es liegt in diesem Beispiel eine eigenartige Mischung zwischen argumentativer und kommentierender Verwendung vor. Denn einerseits kommentiert Q die Bezugseinheit P aus einer anderen Erzählperspektive, andererseits rechtfertigt Q als Prämisse P. Deswegen soll dieser Gebrauch hier als explikativer Kommentar be­zeichnet werden.

Ein weiteres Beispiel für einen solchen explikativen Kommentar ist (17):

(17)       Reste donc chez toi, grande bête, dors bien, mange bien, gagne de l'argent, aie la conscience tranquille, dis-toi que la France se débarbouillera toute seule, si l'empire la tra­casse. Elle n'a pas besoin de toi, la France!

              Elle riait de son beau rire, Quenu était tout à fait con­vaincu. Elle avait raison, après tout; et c'était une belle femme, sur le bord du lit, peignée de si bonne heure, si propre et si fraîche, avec son linge éblouissant.

              (Zola, E.: Le Ventre de Paris, 1873, p. 759)

Q (Elle avait raison) kommentiert in der freien indirekten Rede P (Quenu était tout à fait convaincu). Gleichzeitig erklärt Q als Prämisse die Pro­position in P und rechtfertigt sie dadurch.

In dieser Art der Verwendung kann après tout weder supprimiert noch durch seine Entsprechungen substituiert werden:

(16')      * [...]; alors, s'appuyant contre le secrétaire, il resta jusqu'au soir perdu dans une rêverie douloureuse. Elle l'avait aimé.

(16'')     * [...]; alors, s'appuyant contre le secrétaire, il resta jusqu'au soir perdu dans une rêverie douloureuse. Elle l'avait aimé, somme toute/tout bien considéré/tout compte fait/ finalement/en fin de compte/en définitive/enfin/car/donc/ mais.

(17')      * Quenu était tout à fait convaincu. Elle avait raison; et c'était une belle femme, [...].

(17'')     * Quenu était tout à fait convaincu. Elle avait raison, somme toute/tout bien considéré/tout compte fait/ finalement/en fin de compte/en définitive/enfin/car/donc/ mais; et c'était une belle femme, [...].

Es kann somit vermutet werden, daß après tout eine sekundäre Anweisung erteilt:

(A10): Q ist ein Kommentar, der aus einer anderen, subjektiven Erzählperspektive eine Proposi­tion in P erklärt.

 

Die Tatsache, daß après tout hier nicht durch seine Entsprechungen substi­tuiert werden kann, könnte zum einen darauf zurückzuführen sein, daß diese nicht die Anweisung (A10) erteilen können. Es ist zum anderen je­doch auch denkbar, daß die Unmöglichkeit einer Substitution durch die Entsprechungen auf die Anweisung (A6) zurückzuführen ist, die den Ge­brauch von après tout kennzeichnet. Denn Q ist in (16) und (17) als ein Argument zu betrachten, das P trotz vieler anderer entgegengesetzter Argumente rechtfertigt.

Der einzige Indikator, der après tout in diesem Gebrauch ersetzen könnte, ist ein Ausdruck, der nicht zu den Entsprechungen von après tout gezählt wird: der argumentative Indikator malgré tout:

(16''')    [...]; alors, s'appuyant contre le secrétaire, il resta jusqu'au soir perdu dans une rêverie douloureuse. Elle l'avait aimé, malgré tout.

(17''')    Quenu était tout à fait convaincu. Elle avait raison, malgré tout; et c'était une belle femme, [...].

Malgré tout scheint also auch die Anweisung (A10) zu erteilen. Außerdem aber erteilt malgré tout eine ähnliche Anweisung wie (A6). Diese Anwei­sung ist ähnlich, da malgré tout trotz entgegengesetzter Prämissen eben­falls P durch Q stützt. Aber sie kann tatsächlich nur ähnlich und nicht gleich sein, da sich malgré tout als argumentativer Indikator nicht auf eine im entfernten Bezugskontext vorhandene Annahme beziehen kann, son­dern immer nur auf eine im unmittelbaren Kontext vorhandene Annahme.

In jedem Fall kann malgré tout in dieser bestimmten Verwendung als Entsprechung von après tout betrachtet werden, da es wie après tout die Anweisung (A10) erteilt, obwohl es in keiner der in Teil I vorgestellten Funktionsbestimmungen von après tout erwähnt wird.

6.4         Absoluter Gebrauch von après tout

Ich möchte zum Schluß noch einmal auf den absoluten Gebrauch von après tout zurückkommen, der sich nun durch die formulierten Anweisun­gen des Indikators erklären läßt (vgl. auch Kapitel 3.2).

(18)       Mais qu'on songe plutôt à tant d'écrivains qui, mécontents du morceau qu'ils viennent d'écrire, s'ils lisent un éloge du génie de Chateaubriand ou évoquent tel grand artiste dont ils ont souhaité d'être l'égal, fredonnant par exemple en eux-mêmes telle phrase de Beethoven de laquelle ils com­parent la tristesse à celle qu'ils ont voulu mettre dans leur prose, se remplissent tellement de cette idée de génie qu'ils l'ajoutent à leurs propres productions en repensant à elles, ne les voient plus telles qu'elles leur étaient apparues d'abord, et risquant un acte de foi dans la valeur de leur œuvre se disent: "après tout!" sans se rendre compte que, dans le total qui détermine leur satisfaction finale, ils font entrer le souvenir de merveilleuses pages de Chateaubriand qu'ils assimilent aux leurs, [...].

              (Bsp. (38) in Teil I, vgl. S. 115)

In Kapitel 3.2 wurde bereits festgestellt, daß in diesem Beispiel après tout durch gar keinen anderen Indikator substituiert werden kann. Dies läßt sich meiner Ansicht nach auf die Anweisungen (A2) und (A6) zurückfüh­ren.

Der Adressat muß in (18) nicht nur P, sondern auch noch Q aus dem unmittelbaren Kontext inferieren. Da sich außer après tout jedoch nur noch enfin für den absoluten Gebrauch eignet, ist zu vermuten, daß die Anweisung (A2), nach der neben P auch Q als unmittelbar ableitbare Konstituente zunächst identifiziert werden muß, nur von diesen beiden Indikatoren erteilt wird. Die anderen reexaminierenden Indikatoren hinge­gen erteilen lediglich die Anweisung, P zu identifizieren, während Q immer eine explizite Konstituente ist.

Durch die Anweisung (A6) hingegen, die in Beispiel (18) für die Kohä­renz des Diskurses unerläßlich ist, kann erklärt werden, warum sich enfin nicht für eine Substitution eignet. P könnte in etwa "j'ai toujours été mécontent de mon œuvre" und Q "je suis un génie" lauten.[128] Die im ent­fernten Kontext enthaltene Gesamtheit T, auf die der Gebrauch von après tout verweist und die dadurch dem Adressaten zugänglich gemacht wird, enthält Annahmen über P. Durch (A6) wird eine bestimmte Annahme aus T ("je ne suis pas un génie"), die Q entgegengesetzt ist, in den unmittelba­ren Kontext geholt und untergeordnet. Da sowohl P als auch Q implizit bleiben, muß die gesamte Interpretation allein durch den Gebrauch von après tout inferiert werden. In (18) wird ganz offensichtlich ein Meinungsumschwung markiert, d.h. der Sender/Schriftsteller ordnet eine eigene, frühere Annahme unter. Die Unmöglichkeit der Substitution durch enfin in (18) ist darauf zurückzuführen, daß enfin nicht die Anweisung (A6) erteilt:

(18')      * Mais qu'on songe plutôt à tant d'écrivains qui, mécontents du morceau qu'ils viennent d'écrire, s'ils lisent un éloge du génie de Chateaubriand ou évoquent tel grand artiste dont ils ont souhaité d'être l'égal, fredonnant par exemple en eux-mêmes telle phrase de Beethoven de laquelle ils comparent la tristesse à celle qu'ils ont voulu mettre dans leur prose, se remplissent tellement de cette idée de génie qu'ils l'ajoutent à leurs propres productions en repensant à elles, ne les voient plus telles qu'elles leur étaient apparues d'abord, et risquant un acte de foi dans la valeur de leur œuvre se disent: "enfin!" sans se rendre compte que, dans le total qui détermine leur satisfaction finale, ils font entrer le souvenir de merveilleuses pages de Chateaubriand qu'ils assimilent aux leurs, [...].

Enfin markiert das Ende eines Vorgangs und nicht den Kontrast zwischen zwei Ansichten. In (18) müßte, damit enfin anstelle von après tout ver­wendet werden kann, der Kontext so gestaltet sein, daß der Übergang von der Unzufriedenheit zur Zufriedenheit der Künstler mit ihrem eigenen Werk von einer Reihe von Handlungen (z.B. Veränderungen am Werk) geprägt ist. Dies ist in (18) jedoch nicht der Fall. Dasselbe Werk wird von derselben Person zu einem jeweils anderen Zeitpunkt verschieden gesehen.

7          Fazit

 

Bezugnahme von après tout:

                                                         

                                                     T

 


           Bestimmung                       V                          Unterordnung      

 


                                                    

 

           P                                    après tout                              Q

 

                                                    

                         Modalisierung/Verbindungsherstellung

 

 

Ausgehend von der Hypothese, daß après tout einen dreifachen Bezug indiziert, indem es auf eine unmittelbar ableitbare Bezugseinheit P, auf einen unmittelbar ableitbaren Bearbeitungsausdruck Q und auf eine im entfernten Kontext enthaltene Gesamtheit T verweist und somit eine Verbindung zwischen diesen drei Einheiten markiert, wurden verschiedene primäre und sekundäre Anweisungen des Indikators hierarchisch erfaßt. Diese ermöglichen eine Erklärung der verschiedenen Verwendungsarten des Indikators. Durch den Verweis auf T wird entweder eine Verbindung zwischen zwei Diskurseinheiten P und Q hergestellt oder eine vorhandene Verbindung zwischen P und Q modalisiert.

 

Durch die Annahme, daß après tout als Konnektor immer eine Verbindung zum Kontext herstellt und daß die Modalisierung der Sequenz PQ auf die Verbindung zum Kontext zurückzuführen ist, kann geschlossen werden, daß die modalisierende Funktion von après tout von seiner konnektieren­den Funktion abhängt. Diese Hypothese steht im Gegensatz zur Auffas­sung Hossbachs (1995), nach der reformulative Indikatoren in Anfangs­position (in der sie sich auch auf explizite Einheiten beziehen) eine starke konnektierende und eine schwache modalisierende Funktion haben und in Mittel- und Endposition (in denen sie sich auf rein implizite Bezugseinhei­ten beziehen) an konnektierender Funktion abnehmen und an modalisierender Funktion zunehmen. Hossbach scheint davon auszugehen, daß die konnektierende Funktion eines Indikators sich nur auf den expliziten Dis­kurs bezieht (vgl. Kapitel 3.3).

Ich bin der Meinung, daß après tout in der Tat eine schwächere modali­sierende Funktion hat, wenn es (z.B. bei der Markierung von explikativen Kommentaren oder von Konzessionen) eine Verbindung zwischen P und Q herstellt und diese nicht nur modalisiert. Wie aus den oben zitierten Bei­spielen hervorgeht, ist dies aber weniger von der Satzposition des Konnek­tors abhängig als von dessen Gebrauch.

 

Die verschiedenen Arten des Gebrauchs von après tout lassen sich durch primäre und sekundäre Anweisungen erklären, die mit Hilfe der heuristi­schen Verfahren des Supprimierens und der Substitution des Konnektors durch andere Ausdrücke ermittelt wurden. Das folgende Schaubild veran­schaulicht die Ebenen der Anweisungen, die den Interpretationsprozessen in verschiedenen Verwendungsarten entsprechen:

 

Anweisungen und Verwendungsarten des Indikators après tout:[129]

 

 

 

 

 

Verwendungs-arten:

 

Primäre Anwei-sungen:

 

(A1) Q folgt rückweisend auf T.

 

(A2) P und q sind als aus dem unmittelbaren Kontext ableitbare Annahmen zu identifizieren, die dem Adressaten und dem sender wechselseitig offenkundig sind.

 

Gebrauch als Modifikator;

 

Gebrauch in digressiven Kommentaren

 

 

(A3) ausgehend von P ist eine Gesamtheit T im entfernten Kontext zu identifizieren.

 

 

Gebrauch in argumentativ-begründenden Relationen

 

 

(A4) q wurde vor der äusserung (in t) reexaminiert.

 

(A5) vollziehe selbst die reexaminierung nach.

 

Gebrauch in argumentativ-konklusiven Relationen

 

 

 

(A6) Q steht zu einer im entfernten Kontext vorhandenen und zugänglich gemachten annahme V aus t im gegensatz.

 

Gebrauch in autokorrektiven Kommentaren

 

 

(A7) q ordnet v unter

 

absoluter

Gebrauch

Sekun-däre Anwei-sungen:

(A8)

die aus p

ableitbare kontextuelle implikation r1 ist zu annullieren und die aus q ableitbare kontextuelle implikation r2 zu behalten.

(A9)

alle annahmen über die relevanz der Äusserung p sind zu annullieren und einzig q ist zu behalten.

(A10)

q ist ein kommentar, der aus einer anderen erzähl-perspektive eine

proposition in p erklärt.

 

 

 

Verwen-dungs-arten:

 

Markierung von Konzessionen

 

Markierung von Äußerungs-kommentaren

 

Markierung von explikativen

Kommentaren

 

 

 


Durch die Substitutionstests konnte festgestellt werden, in welcher Ver­wendung après tout durch bestimmte andere Indikatoren ersetzt werden kann, d.h., welche Anweisungen es jeweils mit ihnen teilt.[130] Als Ergebnis kann festgehalten werden, daß die reexaminierenden Indikatoren (tout bien considéré, somme toute, tout compte fait, finalement, en fin de compte, en définitive), die après tout in der Verwendung als Modifikator bzw. in digressiven Kommentaren, in argumentativ-begründenden, argumentativ-konklusiven, argumentativ-konzessiven Verwendungen und in autokor­rektiven Kommentaren substituieren können, die Anweisungen (A3),[131] (A4), (A5) und (A8) teilen. Der Indikator enfin, der wie après tout zur Markierung von Äußerungskommentaren sowie absolut gebraucht werden kann, erteilt die Anweisungen (A2) und (A9). Die Anweisung (A6) teilt après tout mit keiner seiner reformulativen Entsprechungen. (A6) markiert in Verwendungsarten, in denen après tout durch seine Entsprechungen substituiert werden kann, eine ganz spezifische, einzig durch diesen Indika­tor angewiesene Äußerungsinterpretation. (A6) und (A10) kennzeichnen einen besonderen Gebrauch von après tout in explikativen Kommentaren, in denen der Indikator durch keine der reformulativen Entsprechungen, dafür aber durch malgré tout substituiert werden kann.

Wenn als Entsprechungen alle Ausdrücke verstanden werden, die mit après tout bestimmte Anweisungen teilen und den Indikator deswegen in bestimmten Vorkommen ersetzen können, dann kann beispielsweise mal­gré tout, das wie après tout die Anweisung (A10) und eine ähnliche An­weisung wie (A6) erteilt, als eine Entsprechung im Gebrauch der Markie­rung von explikativen Kommentaren betrachtet werden. Dasselbe gilt auch für mais und die in den Wörterbucheinträgen angegebenen Ausdrücke cependant und quoi qu'il en soit in argumentativ-konzessiven Verwendun­gen des Indikators, da sie mit après tout die Anweisung (A8) teilen. Car und donc jedoch müssen weiterhin als Nicht-Entsprechungen von après tout betrachtet werden, da sie nicht durch gemeinsame Anweisungen mit après tout verbunden sind.

 

Ich möchte abschließend den Stellenwert erörtern, den die in Teil I darge­stellten Funktionsbestimmungen nach dem hier dargestellten hierarchischen Modell haben.

Am einfachsten kann zunächst die Schlußmarkierung beurteilt werden. Sie ist unabhängig von der Art der Verwendung rein kontextuell bedingt. Dies läßt sich an den beiden Beispielen veranschaulichen, in denen après tout einen explikativen Kommentar markiert:

(16)       Quand tout fut fini au cimetière, Charles rentra chez lui. Il ne trouva personne en bas; il monta au premier, dans la chambre, vit sa robe encore accrochée au pied de l'alcôve; alors, s'appuyant contre le secrétaire, il resta jusqu'au soir perdu dans une rêverie douloureuse. Elle l'avait aimé, après tout.

(17)       Elle riait de son beau rire, Quenu était tout à fait con­vaincu. Elle avait raison, après tout; et c'était une belle femme, sur le bord du lit, peignée de si bonne heure, si propre et si fraîche, avec son linge éblouissant.

In Beispiel (16) markiert après tout einen Abschluß (es handelt sich sogar um das Ende eines Kapitels), jedoch nicht in Beispiel (17), in dem Q mit der nachfolgenden Äußerung durch die Konjunktion et verbunden ist.

 

Was die Bestimmungen von après tout als argumentativer Indikator be­trifft, kann festgehalten werden, daß après tout sowohl in argumentativ-begründenden, argumentativ-konklusiven als auch in argumentativ-kon­zessiven Relationen vorkommen kann. Die in Teil I aufgeführten Bestim­mungen von après tout als argumentativ-konklusiver Marker und als be­kräftigender Diskurskonnektor beschreiben jeweils einen Teil der Verwen­dungsmöglichkeiten. Gegen diese Bestimmungen ist einzuwenden, daß après tout mit Ausnahme der Konzession die argumentativen Relationen nicht tatsächlich markiert, sondern schon vorhandene Relationen modali­siert. Die Markierung einer Begründung oder Konklusion gehört nicht zu den Anweisungen des Indikators. Nur die Markierung der Konzession gehört zu seinen sekundären Anweisungen und kann somit in bestimmten Kontexten als Funktion des Indikators betrachtet werden.

Obwohl die Bestimmung von Blakemore (1987; 1992) (Kapitel 2.4), nach der après tout ein bekräftigender argumentativer Konnektor ist, nur einen Teil des Verwendungsspektrums abdeckt, enthält sie eine Hypo­these, die nochmals hervorgehoben werden sollte, da sie durch die Unter­suchungen in Teil II größtenteils bestätigt werden kann: die Hypothese, daß Q eine Erinnerung, eine schon zugängliche Information ist. Da Q in den meisten Verwendungen ein expliziertes Element aus T, dem bereits vorhandenen aber entfernten Kontext ist, kann es tatsächlich als eine Erin­nerung verstanden werden.

 

Die Konstituenten P und Q können sowohl argumentativ gleichgerichtet als auch argumentativ gegengerichtet sein. Deswegen ist generell eine voraussichtliche Bestimmung der argumentativen Richtung der Konstitu­ente Q allein durch die Äußerung des Indikators nicht möglich, wenn nicht sowieso schon ein ganz bestimmter Kontext, in dem der Indikator ge­braucht wird, die Richtung der Konstituente vorgibt. Dies kann an Beispiel (7) verdeutlicht werden:

(7)         Guillaume et Landry, travaillant.

              G.: Il me semble que Fortunio n'est pas resté longtemps à l'étude.

              L.: Il y a gala ce soir à la maison, et maître André l'a invité.

              G.: Oui; de façon que l'ouvrage nous reste. J'ai la main droite paralysée.

              L.: Il n'est pourtant que troisième clerc; on aurait pu nous inviter aussi.

              G.: Après tout, c'est un bon garçon; il n'y a pas grand mal à cela.

Après tout wird in (7) konzessiv verwendet; P und Q sind argumentativ gegengerichtet. Ebenso wäre es jedoch auch möglich, daß der Indikator in einer Begründung vorkommt:

(7')        L.: Il n'est pourtant que troisième clerc; on aurait pu nous inviter aussi.

              G.: Après tout, nous mériterions autant que lui d'être in­vités.

Die argumentative Richtung von Q kann folglich allein durch den Ge­brauch des Indikators nicht bestimmt werden.

 

Die Bestimmungen von après tout als Subjektivitätsmarker haben sich durchgehend bestätigt. Dadurch, daß eine bestehende Verbindung zwi­schen zwei Konstituenten P und Q durch den Gebrauch von après tout über den Verweis auf T immer modalisiert wird, handelt es sich bei der Subjektivitätsmarkierung tatsächlich um eine Funktion, die après tout in jedem Vorkommen aufweist. Es ist zu bemerken, daß après tout im schriftlichen Diskurs auch bevorzugt zur Markierung der freien indirekten Rede verwendet wird, in der der Indikator auf die subjektive Sichtweise einer Figur hinweist, die sich von der objektiven Sichtweise des allwissen­den Erzählers unterscheidet (vgl. Beispiele (16) und (17)).[132]

 

Ich möchte nun zu den Bestimmungen von après tout als reformulativer Indikator kommen. Sie wurden bis jetzt im zweiten Teil ganz bewußt aus­geklammert, da sie den Anspruch erheben, anders als die Bestimmungen von après tout als argumentativer Indikator eine übergeordnete Funktion des Indikators zu erfassen.

Wie bereits aus der Anweisung (A4) hervorgeht, bestätigen die Untersu­chungen die Annahme Rossaris (1994a) (Kapitel 2.1), daß après tout eine Reexaminierung indiziert. Als neue Hypothese kommt hinzu, daß die Äu­ßerung des Indikators auch gleichzeitig ein Aufruf an den Adressaten ist, die Reexaminierung nachzuvollziehen.

Weiterhin ist zu bemerken, daß der Behauptung Roulets (1990), es ge­höre allenfalls zu den sekundären Anweisungen von après tout, einen be­stimmten Typ von argumentativer Relation zu markieren, zuzustimmen ist (vgl. Kapitel 2.1.2.5). Aber wie sieht es mit der Reformulierung aus? Es empfiehlt sich, nochmals die Definition der Reformulierung näher zu be­trachten und das Verständnis reformulativer Indikatoren an zwei unter­schiedlichen der im zweiten Teil der Arbeit untersuchten Beispielen vorzu­führen:

Faute de terme plus approprieé, nous dénommerons reformulation non paraphrastique (en abrégé dans la suite du texte reformula­tion) le troisième type de relation interactive, non argumentative, [...]; reformulation, car l'énonciateur tente de mieux satisfaire à la complétude interactive en présentant l'intervention principale comme une nouvelle formulation, liée à un changement de perspec­tive énonciative indiqué par le connecteur, d'un premier mouvement discursif (ou d'un implicite); [...] (Roulet 1987a: 115).

 

(4)         - Oh! Dit-il tranquillement, je te l'eusse pardonné ... après tout, je n'ai pas de préjugés ... per bacco! comme disait feu mon honoré père.

(13)       Quand on quadruplerait la production, ce qu' après tout je ne crois pas impossible, ce serait peine perdu: [...].

In beiden Beispielen versucht der Sender, durch die durch après tout ein­geführte diskursive Bewegung die interaktive Vollständigkeit seiner Äuße­rung zu garantieren.

In (4) könnte nach der Definition von Reformulierungen P (je te l'eusse pardonné) als erste diskursive Bewegung und Q (je n'ai pas de préjugés) als neue diskursive Bewegung verstanden werden, die nach einem Wechsel der Äußerungsperspektive den dominierenden Standpunkt enthält.

In (13) jedoch kann Q (ce que je ne crois pas impossible) schlecht als Reformulierungsausdruck für P (Quand on quadruplerait la production) betrachtet werden. Q ordnet P nicht unter, sondern reevaluiert P. Das heißt, daß hier die untergeordnete diskursive Bewegung nicht P, sondern eine implizit ableitbare Konstituente ist. Dies würde dann bedeuten, daß Q die Reformulierung eines der in T enthaltenen Elemente wäre. Wenn in Anlehnung an Roulet (1990) davon ausgegangen wird, daß après tout einen Meinungsumschwung markiert (vgl. Kapitel 2.1.2.5), wäre die erste diskursive Bewegung in (13) mit V gleichzusetzen. Aber hat die Reformu­lierung eines der in T enthaltenen Elemente nicht einen völlig anderen Charakter als in den Vorkommen, in denen Q die Reformulierung von P ist? Schließlich wurden P und T als unterschiedliche Einheiten bestimmt: Es handelt sich einmal um eine unmittelbar ableitbare Konstituente und das andere Mal um eine Menge von Elementen, die erst durch den Gebrauch von après tout aus dem entfernten Kontext zugänglich gemacht wird. Außerdem findet in Beispiel (4) bei dem Wechsel der Äußerungsperspek­tive kein Meinungsumschwung statt.

Wenn nun après tout als reformulativer Indikator bestimmt wird und dieser in jedem Vorkommen einen gleichartigen Wechsel der Äußerungs­perspektive markieren soll, dann sollte die Reformulierung so verstanden werden, daß die reformulierte Einheit, also die untergeordnete diskursive Bewegung, immer einer impliziten Konstituente (V) aus T entspricht. In diesem Fall wäre der vollzogene Wechsel der Äußerungsperspektive dann jeweils eine Gegenüberstellung zweier entgegengesetzter Annahmen bzw. - vorausgesetzt V entspricht der "Stimme" des Sprechers - ein Meinungs­umschwung. Doch dann sollte auf der anderen Seite eine Relation, wie sie zwischen den expliziten Konstituenten P und Q in Beispiel (4) vorliegt, nicht mehr als Reformulierung, sondern nur noch als Argumentation be­trachtet werden, da auch in diesem Beispiel die Reformulierung sich auf die in T vorhandene implizite Gegenannahme zu Q beziehen müßte. Die reformulierte Konstituente wäre somit immer implizit. Wenn die Reformu­lierung also als ein Vorgang bestimmt wird, bei dem après tout eine in T enthaltene Annahme V, die Q entgegengesetzt ist, unterordnet, dann ist die reformulative Funktion von après tout im hierarchischen Modell in den primären Anweisungen (A6) und (A7) enthalten. Auf diese Art und Weise kann das Problem, das sich bei der Bestimmung Roulets (1990) stellt, nach der après tout ein reformulativer Konnektor ist, der einen Meinungsum­schwung markiert (vgl. Kapitel 2.1.2.5), behoben werden. Die zu Q entge­gengesetzte Annahme ist immer ein implizites Element aus T, ganz gleich, welchen Status der explizite oder implizite, in jedem Fall unmittelbar ab­leitbare Bezugsausdruck P hat. So gesehen können die vorliegenden Un­tersuchungen in Teil II als ein Beitrag verstanden werden, in dem die Be­zugnahme von après tout als reformulativer Indikator in verschiedenen Vorkommen näher bestimmt wird.


Teil III: Zusammenfassung und Ausblick

Die vorliegende Arbeit versteht sich als ein Beitrag zur Bestimmung der Vorkommen und Funktionen von après tout als pragmatischer Indikator des Französischen. Ausgehend von der Erkenntnis, daß après tout ein polyfunktionaler Indikator ist, also mehrere Diskursfunktionen hat, die in den verschiedenen Vorkommen variieren können, stellte sich die Frage, wie seine diversen Dimensionen systematisch und möglichst vollständig in einer Bestimmung erfaßt werden können.

Im ersten Teil der Arbeit wurde untersucht, wie après tout sowohl in Wörterbüchern als auch in pragmatischen und textgrammatischen Bestim­mungen charakterisiert wird. Dabei entstand zunächst ein relativ unüber­sichtliches Bild einer großen Anzahl von Entsprechungen, die après tout in gewissen Vorkommen ersetzen können, sowie diverser einzelner Diskurs­funktionen des Indikators. Alle Bestimmungen erwiesen sich als mangel­haft, da sie entweder zu allgemein oder vage formuliert sind oder aber nur einzelne Diskursfunktionen des Indikators beschreiben, die sich teilweise auch nur durch ganz bestimmte Vorkommen bestätigen ließen. Keine der Funktionsbestimmungen konnte als zufriedenstellend bewertet werden, um après tout hinreichend präzise in seiner gesamten Dimension zu erfassen.

Durch eine anschließende modulare Bestimmung von après tout konnten einzelne Eigenschaften und Funktionen des Indikators hinsichtlich ihrer Gegenstandsbereiche situiert und in eine gemeinsame Bestimmung inte­griert werden. Die Differenzen zwischen den diversen Funktionsbestim­mungen konnten größtenteils darauf zurückgeführt werden, daß der Un­tersuchungsgegenstand jeweils aus einer anderen Perspektive betrachtet wird, so daß sich die einzelnen Bestimmungen einander ergänzen. Aller­dings gilt dies nicht für die Bestimmungen als argumentativer und als re­formulativer Indikator, die sich aufgrund der Voraussetzung gegensätzli­cher diskursiver Eigenschaften des Indikators einander ausschließen. Diese Eigenschaften betreffen vor allem die Bezugnahme des Indikators, die durch die modulare Bestimmung näher analysiert werden konnte. Die Frage nach einer ganz spezifischen Funktionsweise von après tout, die alle Vorkommen des Indikators erklärt, ihn von allen anderen Indikatoren abgrenzt und auch die Zusammenhänge und Unterschiede verschiedener Arten des Gebrauchs sowie eine davon abhängige Ersetzbarkeit durch bestimmte Entsprechungen aufzeigt, blieb jedoch weiterhin offen.

Im zweiten Teil der Arbeit wurde dann der Versuch unternommen, diese spezifische Funktionsweise von après tout durch empirische Untersuchun­gen zu erfassen. Das Ziel der Untersuchungen bestand darin, sowohl eine gemeinsame Wurzel zu finden, die bei allen Vorkommen des Indikators gleich ist, als auch die unterscheidenden Merkmale zwischen den verschie­denen Verwendungsarten herauszustellen. Methodisch wurde in Anleh­nung an die inferentielle Pragmatik so vorgegangen, diverse primäre und sekundäre Anweisungen des Indikators zu formulieren, die hierarchisch miteinander verbunden sind und einzelnen Etappen im Interpretationspro­zeß entsprechen. Die Anweisungen entsprechen dem Wissen, über das der Adressat verfügen muß, um eine Äußerung, in der après tout vorkommt, richtig zu interpretieren. Die Interpretation wird also mit Hilfe von Anwei­sungen vollzogen.

Après tout stellt als pragmatischer Konnektor immer eine Verbindung zwischen der Äußerung, in der es vorkommt, und dem Kontext her. Der Verweis auf den Kontext gehört zu den semantisch-morphologischen Ei­genschaften des Indikators. Dies bedeutet, daß die Interaktion mit dem Kontext schon in seiner Satzbedeutung vorhanden ist.

Vor diesem Hintergrund wurde die Hypothese aufgestellt, daß après tout immer eine Beziehung zwischen folgenden drei Diskurseinheiten mar­kiert: P (ein unmittelbarer Bezugsausdruck), T (eine im entfernten Be­zugskontext enthaltene Gesamtheit) und Q (ein Bearbeitungsausdruck). Dabei wurde im Unterschied zu den bei Funktionsbestimmungen von Indi­katoren sonst üblichen Methoden auf eine Trennung von P und T Wert gelegt.

Die Art der Beziehung zwischen diesen drei Einheiten bildete die Grundlage für die Formulierung der Anweisungen. Die primären Anwei­sungen entsprechen der gemeinsamen Funktionsweise von après tout in allen Vorkommen, die die verschiedenen Arten des Gebrauchs des Indika­tors verbindet (vgl. Schaubild S. 177). In ganz bestimmten Arten des Ge­brauchs (zur Markierung von Konzessionen, Äußerungskommentaren und explikativen Kommentaren) sind zusätzlich zu den primären Anweisungen auch noch sekundäre Anweisungen notwendig, um die Verbindung zwischen P und Q herzustellen. Nur in diesen spezifischen Verwendungsarten wird après tout zur Herstellung der Diskurskohärenz benötigt. In allen anderen Vorkommen ist die Kohärenz auch ohne den Indikator gesichert.

Die Gegensätze der in Teil I dargestellten Funktionsbestimmungen konnten mit der prozeduralen Bestimmung dadurch erklärt werden, daß in den einzelnen Bestimmungen jeweils andere Verwendungsarten des Indi­kators berücksichtigt werden. Diese können bei gleichbleibenden primären Anweisungen sehr unterschiedlich sein, wobei der Gebrauch des Indikators jedoch nur dann für die Differenzen verantwortlich ist, wenn er auch noch Anweisungen zweiten Grades erteilt.

Die Ersetzbarkeit von après tout durch diverse Entsprechungen konnte für bestimmte Arten des Gebrauchs systematisiert werden. Es wurde ver­mutet, daß die Entsprechungen, die après tout in einer bestimmten Ver­wendungsart ersetzen können, bestimmte Anweisungen mit après tout teilen. Entsprechungen könnten somit für pragmatische Indikatoren neu definiert werden als Ausdrücke, deren Anweisungen an den Adressaten (wie dieser eine Äußerung interpretieren soll) sich teilweise überschneiden.

Von einer der formulierten pragmatischen Anweisungen wurde ange­nommen, daß sie von keiner anderen der in die Analysen miteinbezogenen Entsprechungen erteilt wird: (A6): Q steht zu einer im entfern­ten kontext vorhandenen und zugänglich gemach­ten Annahme aus t im gegensatz. Diese primäre Anweisung kann zum einen als maßgeblich für eine ganz spezifische Äußerungsbedeu­tung betrachtet werden, die mit jedem Gebrauch von après tout einher­geht. Der kontrastive Charakter, den eine Äußerung durch den Gebrauch des Indikators erhält, kann somit als der Grund genannt werden, weshalb ein Sprecher für bestimmte kommunikative Absichten après tout seinen reformulativen Entsprechungen vorzieht. Zum anderen kann dann, wenn diese Anweisung für die Kohärenz des Diskurses unerläßlich ist, erklärt werden, warum in einigen Vorkommen après tout durch keine der Ent­sprechungen substituiert werden kann. Diese Annahme ist natürlich inso­fern zu relativieren, als sie nur für die in die Analyse miteinbezogenen Entsprechungen aussagekräftig ist. Abgesehen von den jeweils individuel­len semantisch-morphologischen Eigenschaften besteht deswegen die ganz spezifische Funktionsweise eines Indikators nicht etwa aus einer ganz bestimmten pragmatischen Anweisung, die kein anderer Ausdruck mit ihm teilt, sondern aus der Kombination bestimmter semantisch-pragmatischer Anweisungen. Im ganz konkreten Beipiel von après tout bedeutet dies, daß der kontrastive Charakter, den eine Äußerung durch den Gebrauch von après tout erhält, zwar als unterscheidendes Merkmal gegenüber den anderen reexaminierenden Indikatoren und enfin betrachtet werden kann, nicht aber gegenüber malgré tout, das sich seinerseits wiederum durch andere Anweisungen, die vor allem die Reichweite der Bezugnahme be­treffen, von après tout abhebt.

Die Formulierung von primären und sekundären Anweisungen ist meiner Ansicht nach für die Bestimmung pragmatischer Indikatoren eine geeig­nete Methode, da auf diese Weise - im Gegensatz zu Klassifizierungen hinsichtlich einer ganz bestimmten Diskursfunktion - die Polyfunktionalität von Indikatoren in ihrem ganzen Ausmaß erfaßt werden kann.

 

Wie alle empirischen Untersuchungen stützt sich die vorliegende Bestim­mung bei der Definition von Anweisungen auf das Sprachgefühl und ist deswegen zwangsläufig subjektiv. Sie erhebt zudem auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da das Untersuchungskorpus, das ausschließlich aus schriftlichen Diskursen besteht (Auszüge aus literarischen Werken, die in einem bestimmten Zeitraum verfaßt wurden), sehr begrenzt ist. Sprache unterliegt jedoch ständigen Veränderungen und definiert sich durch ihren Gebrauch, so daß es durchaus möglich ist, daß beispielsweise in Werken, die zu anderen Zeitpunkten geschrieben wurden, im mündlichen Diskurs oder in Varianten des Französischen weitere Arten des Gebrauchs und vielleicht auch weitere sekundäre Anweisungen entdeckt werden. Durch die Untersuchung anderer Korpora könnten die vorliegenden Untersu­chungen somit sinnvoll ausgeweitet und vervollständigt werden.

Weitere Möglichkeiten, die Untersuchungen zu après tout zu vertiefen, wären beispielsweise auch eine Analyse des Gebrauchs des Indikators in Abhängigkeit von bestimmten Textsorten oder der Gebrauch bei einzelnen Autoren.[133]

Eine interessante Weiterführung der Analyse von après tout wäre bei­spielsweise auch die Durchführung von kontrastiven Untersuchungen. Dabei wäre zum einen bei dem Vergleich mit einer Sprache, in der es ein semantisch-morphologisches Äquivalent zu après tout gibt (wie z.B. das spanische después de todo), der Grad an pragmatischer Übereinstimmung des jeweiligen Ausdrucks mit après tout zu erörtern. Zum anderen könnte bei dem Vergleich mit einer Sprache, in der kein Äquivalent zu après tout existiert (wie z.B. das Deutsche), untersucht werden, durch welche Aus­drücke oder andere sprachliche Mittel Anweisungen erteilt werden kön­nen, die annähernd den Anweisungen von après tout entsprechen.

Ich möchte die Arbeit mit einer Überlegung abschließen, die ein interes­santer Ausblick für weitere Untersuchungen von après tout und seinen Entsprechungen sein kann. Sie betrifft die Frage, warum après tout im schriftlichen Diskurs ein relativ häufig benutzter Indikator ist, während es im mündlichen Diskurs eher selten verwendet wird. Diese Tatsache kann eventuell darauf zurückgeführt werden, daß der Gebrauch von après tout einen äußerst komplexen Interpretationsprozeß einleitet. Der Sender ver­langt vom Adressaten sowohl die Inferenz eines unmittelbar ableitbaren Bezugsausdrucks P, eines unmittelbar ableitbaren Bearbeitungsausdrucks Q, einer im entfernten Bezugskontext enthaltenen Gesamtheit T und einer darin enthaltenen Annahme V, die Q entgegengesetzt ist, als auch die Herleitung der Beziehungen dieser Einheiten untereinander. Der Gebrauch von après tout erleichtert somit keineswegs den Interpretationsprozeß, wie es beispielsweise bei den meisten argumentativen Indikatoren der Fall ist, sondern der Sender kann im Gegenteil durch die von diesem Konnektor angewiesene Modalisierung einer gegebenen Äußerungsbedeutung sehr viel hinzufügen. Es könnte sein, daß der komplexe Interpretationsprozeß, den après tout einleitet, der Grund dafür ist, daß dieser Indikator im mündlichen Diskurs eher vermieden wird, während er hingegen im schrift­lichen Diskurs dem Sender die Möglichkeit bietet, die Äußerungen durch die Anweisungen sehr präzise zu modalisieren.

 

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STENDHAL, H. B. dit: Lucien Leuwen [1835]. Paris (Le Divan), 1929 (3 Bde.).

TOCQUEVILLE, A. de: L'Ancien Régime et la Révolution [1856]. Paris (Gallimard), 1964.

VIGNY, A. de: Le Journal d'un poète [1863], in: Œuvres complètes, Bd. 2. Paris (Gallimard), 1948: 870-1392.

ZOLA, E.: La Joie de vivre [1884], in: Les Rougon-Macquart, Bd. 3. Paris (Gallimard), 1964: 805-1130.

ZOLA, E.: Le Ventre de Paris [1873], in: Les Rougon-Macquart, Bd. 1. Paris (Gallimard), 1963: 61-895.

 

 

 

© Daniela Philippi. Círculo de Lingüística Aplicada a la Comunicación/ Kreis der linguistik angewandt auf die kommunikation 4, November 2000. ISSN 1576-4737. Aus Daniela Philippi, 1999, 'Après tout' als pragmatischer Indikator im Französischen, Berlin: Freie Universität Berlin, RomLi 11, Seiten 139-178.

http://www.ucm.es/info/circulo/no4/philippi.htm

 

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[111] Seit Ende der achtziger Jahre wird diese Methode innerhalb der Genfer For­schungsgruppe insbesondere von Moeschler und Luscher angewandt (vgl. z.B. Luscher 1989, Moeschler 1989c, Luscher/Moeschler 1990 und Luscher 1994).

[112] "Le communicateur produit un stimulus qui rend mutuellement manifeste au communicateur et au destinataire que le communicateur veut, au moyen de ce stimulus, rendre manifeste ou plus manifeste au destinataire un ensemble d'hy­pothèses I" (Sperber/Wilson 1989: 101).

[113] Nach einer ähnlichen Methode verfährt auch Hölker (1988), der Grundbedeu­tungen und abgeleitete Bedeutungen von Markern unterscheidet (vgl. Kapitel 2.2.2). Ich ziehe für die vorliegenden Untersuchungen die Bestimmung von pri­mären und sekundären Anweisungen vor, da ich die Ansicht vertrete, daß der Beitrag von après tout zur Äußerungsbedeutung in einer Verbindung zum Kontext besteht, durch die dem Adressaten angewiesen wird, wie eine gegebene Äußerung zu interpretieren ist.

[114] Bei der Analyse konnten Präferenzen einzelner Autoren für ganz spezifische Verwendungsarten beobachtet werden (z.B. bevorzugt Balzac einen Gebrauch von après tout in argumentativen Relationen), auf die hier jedoch nicht näher eingegangen werden kann.

[115] Um den zweifachen Rückbezug auf P und T vom einfachen Rückbezug auf p, das P und T zusammenfaßt, abzugrenzen, werden in Teil II als Variablen Groß­buchstaben verwendet.

[116] Diese Eigenschaft unterscheidet après tout grundlegend von enfin und finale­ment, die auf semantisch-morphologischer Ebene als semantische Operatoren fungieren können (vgl. Kapitel 2.2.3 sowie Luscher/Moeschler 1990: 91f.).

[117] Ich werde in Teil II zugunsten einer besseren Überschaubarkeit eine neue Durchnumerierung der Beispiele vornehmen. Wenn ein Beispiel bereits in Teil I zitiert wurde, wird dies anstelle einer Quellenangabe vermerkt.

[118] In der Regel handelt es sich bei Bezugsausdrücken um Propositionen. Die An­nahme, daß P bei einem Gebrauch von après tout als Modifikator hier eine Nominalphrase ist, kann dadurch gerechtfertigt werden, daß P den entfernten Kontext bestimmt, auf den der Indikator verweist.

[119] Après tout indiziert dabei nicht unbedingt, daß die Zweifel zum Zeitpunkt der Äußerung von Q endgültig beseitigt sind (vgl. hierzu weiter unten Beispiel (6) in Kapitel 6.2.2).

[120] Auf spezifische Anweisungen der anderen Indikatoren kann ich in diesem Rah­men leider nicht näher eingehen.

[121] Ein bevorzugter Gebrauch von après tout als Modifikator kann in lyrischen Texten festgestellt werden.

[122] In Kapitel 2.1 wurde bereits gezeigt, daß die argumentative interaktive Funktion einer Konstituente nicht immer durch einen Indikator gekennzeichnet werden muß.

[123] Näheres zu den Anweisungen begründender Indikatoren siehe z.B. Moeschler (1989c).

[124] Näheres zu den Anweisungen von donc siehe Moeschler (1989c).

[125] Da après tout hier in Mittelposition vorkommt, könnte es durch mais, cepen­dant und quoi qu'il en soit nur bei syntaktischer Umstellung ersetzt werden.

[126] Cependant wird im "Genfer Modell" ebenso wie mais als konzessiver Indikator betrachtet. Über quoi qu'il en soit gibt es bisher nur wenige detaillierte Untersu­chungen. Kotschi (1993) betrachtet den Ausdruck als reformulativen Indikator, der voraussetzt, daß sich in seinem Vorfeld zwei Diskurskonstituenten mit ge­gensätzlicher argumentativer Orientierung befinden, die mit einer dritten Konsti­tuente im Nachfeld verknüpft werden. Nach den Anweisungen von quoi qu'il en soit soll nur diese dritte Konstituente als relevant erachtet werden (Kotschi 1993: 303).

[127] Die Tatsache, daß tout bien considéré in Beispiel (15) après tout nicht substitu­ieren kann, ist vermutlich auf stilistische Faktoren zurückzuführen (vgl. auch Kapitel 3.1).

[128] Da après tout in der direkten Rede steht, wird als Sender exemplarisch einer der Schriftsteller, von denen die Rede ist, bezeichnet.

[129] Die vorliegende Bestimmung erhebt keinen Anspruch darauf, die Verwendungsarten und Anweisungen vollständig erfaßt zu haben. Es ist durchaus denk­bar, daß bei einer Analyse anderer Korpora (z.B. mündlicher Diskurse oder Dis­kurse, die in anderen Zeiträumen entstanden) weitere Arten des Gebrauchs und eventuell damit einhergehend auch weitere sekundäre Anweisungen entdeckt werden.

[130] Die Substitutionstests wurden in der vorliegenden Arbeit nur an einzelnen Bei­spielen dargestellt. Die Ersetzbarkeit in bestimmten Verwendungen durch be­stimmte Ausdrücke läßt sich im großen und ganzen verallgemeinern und trifft somit auf die meisten Vorkommen der jeweiligen Verwendungsart zu, wobei natürlich teilweise kontextuell (vor allem auch stilistisch) bedingte Unangemes­senheit in Einzelfällen nicht ausgeschlossen werden kann.

[131] Es ist dabei die Einschränkung zu machen, daß bei (A3) nur die gesamtheits­markierenden Indikatoren somme toute, tout bien considéré und tout compte fait auf eine im entfernten Kontext enthaltene Gesamtheit verweisen.

[132] Nach Albrecht (1977: 35) ist die Markierung der freien indirekten Rede eine Besonderheit des deutschen Modalpartikels eigentlich, das seiner Ansicht nach in dieser Verwendung kein Äquivalent im Französischen hat: "Diese und ähnli­che Verwendungen von eigentlich und anderen Partikeln mit vorwiegend prag­matischer Funktion geben dem Text einen eigentümlichen Zwitterstatus zwi­schen "récit" und "style indirect libre", der mit den Mitteln unserer Zielsprache in dieser Form nicht nachzuahmen ist." Die Verwendung von après tout in den Beispielen (16) und (17) zeigt jedoch, daß das Französische über Indikatoren verfügt, die genau dieselbe Funktion haben wie die von Albrecht zitierten deut­schen Partikeln.

[133] Nach der Untersuchung des verfügbaren Beispielmaterials halte ich für eine Untersuchung des Gebrauchs bei bestimmten Autoren insbesondere Balzac und Proust für interessant: Balzac, da er après tout überwiegend in argumentativen Relationen gebraucht, die dadurch näher analysiert werden könnten und Proust, da dieser den Indikator auf sehr eigenwillige Art und Weise verwendet, wodurch eventuell weitere Verwendungsarten des Indikators erschlossen werden könnten.